Ärzte Zeitung, 16.12.2015

Innovationsfonds

Herausforderung für den GBA

Die Versorgungsforschung soll helfen, die Politik besser zu machen. Eindrücke von einem Symposium.

BERLIN. Wissenschaft und Gesundheitspolitik sind aufeinander angewiesen. Mit dem Innovationsfonds erkenne die Politik die Bedeutung der Versorgungsforschung als Instrument der Gesundheitssystemanalyse an, sagte Bundesärztekammer-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery bei einem Symposium in Berlin.

Die wechselseitigen Beziehungen von Versorgungsforschung und angewandter Gesundheitspolitik machte Professor Thomas Mansky von der Technischen Universität an einem Beispiel deutlich: "Wenn ein Viertel der Kliniken in Deutschland nur ein bis zwei Pankreas-Operationen im Jahr durchführen, dann sind Qualitätsprobleme vorgezeichnet."

Innovationsfonds ist 1,2 Milliarden Euro schwer

In Deutschland ließen sich rund 500 Krankenhäuser, vornehmlich in Ballungsgebieten, schließen. Es sei kaum zu erwarten, dass die Politik sich daran wage, sagte Mansky. Die Versorgungsforschung müsse frei sein und auch die systemische Umsetzung von Strukturreformen untersuchen.

Der 1,2 Milliarden Euro schwere Innovationsfonds - davon 300 Millionen Euro für Versorgungsforschung - ziele auf konkrete Versorgungsverbesserungen, sagte Dr. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied des Gemeinsamen Bundesausschusses.

Erwartet würden Projekte, die eine systematische Analyse von Defiziten erlaubten, zum Beispiel Ergebnisse aus der Zusammenführung von Register- und Qualitätsdaten. Nach wie vor fehlten Instrumente, um Patientenpräferenzen in Bewertungen einfließen zu lassen und Lebensqualität zu messen.

"Wir wollen weg money-driven und hin knowledge-driven Gesundheitssystemsteuerung"

Der Fonds stelle eine Herausforderung für den GBA als Normgeber dar, sagte Klakow-Franck. Es bestehe das Risiko, dass sich der GBA in der zur erwartenden Menge an Erkenntnisgewinn verzettele.

Das solle ein Rahmenkonzept verhindern helfen. Das Ziel hat Klakow-Franck klar angepeilt: "Wir wollen weg von einer money-driven und hin zu einer knowledge-driven Gesundheitssystemsteuerung."

Die BÄK hat das Symposium zu Ehren von Professor Peter C. Scriba ausgerichtet, der im August 80 Jahre alt geworden war. Scriba ist seit 13 Jahren Vorsitzender und seit 25 Jahren Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der BÄK.

In dieser Funktion arbeitete er an zahlreichen Leitlinien mit. Nicht leitliniengerechte Behandlung bedeute einen Verlust an Überlebenschancen, unterstrich Professor Rolf Kreienberg, Chef der AWMF, deren Bedeutung. (af)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Häufiger Anaphylaxie unter Erdnuss-Immuntherapie

Schlechte Nachrichten für Patienten mit Erdnuss-Allergie: Einer Meta-Analyse zufolge traten unter einer oralen Immuntherapie bei Kindern deutlich mehr allergische Reaktionen auf. mehr »

Unterschiedliche Positionen zur Impfpflicht

Im internationalen Vergleich steht Deutschland in Sachen Masern-Impfschutz gar nicht so schlecht da. Ein Grund, sich auszuruhen, ist das nicht, meinen Ärztevertreter. Doch wie weit sollte eine Impfpflicht gehen? mehr »

Honorar für Leichenschau soll mehr als verdoppelt werden

Eine Arztstunde für rund 220 Euro: Gesundheitsminister Jens Spahn plant eine Neubewertung der Leichenschau in der GOÄ ab 2020. Bei den Ärzten stößt er damit auf Gegenliebe. mehr »