Ärzte Zeitung online, 26.02.2016

Terminservice

"Vollkommen überflüssig!"

Die KV Brandenburg legt nach den vier ersten Wochen Daten vor und kommt zum Schluss, dass die Terminservicestelle aus ihrer Sicht keinen Sinn macht.

Von Julia Frisch

POTSDAM. Einen Monat nach dem Start ihrer Terminservicestelle sieht sich die KV Brandenburg bestätigt: Die gesetzlich vorgeschriebene Terminvermittlung ist zumindest in der Mark "vollkommen überflüssig". Eine erste Bilanz zog die KV jetzt darüber, wie sehr ihre Terminservicestelle in den vergangenen Wochen in Anspruch genommen wurde.

404 Anrufe gingen bei der KV ein. Bei 45 Prozent der Anfragen konnten die zwei Mitarbeiter der Servicestelle allerdings nicht helfen, weil die Voraussetzung für eine Terminvermittlung zum Facharzt, die Kennzeichnung auf einem Überweisungsschein hinsichtlich der dringenden Behandlungsbedürftigkeit, fehlte.

Konkret fehlte bei 183 Anrufern diese Kennzeichnung oder sie brachen das Telefonat ab. 24 Interessenten wünschten einen Termin bei einer Facharztgruppe, die vom Gesetz aber ausdrücklich von der Vermittlung ausgenommen ist. 184 Patienten wurde direkt ein Termin vermittelt.

Bei acht Anrufern wurden die Daten aufgenommen, um einen Termin innerhalb einer Woche zu vermitteln. Fünf Patienten sagten einen Termin wieder ab. Am häufigsten nachgefragt waren Termine bei Augenärzten, Gynäkologen, Kardiologen sowie bei Nervenheilkundlern und Neurologen.

Ob die Anrufer vorher schon versucht hatten, auf eigene Faust einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen, dazu gebe es keine generellen Erkenntnisse, sagte Dr. Peter Noack, stellvertretender Vorsitzender des KV-Vorstandes.

Er habe einmal den Mitarbeitern in der Terminservicestelle über die Schulter geschaut, "und da war es so, dass die Anrufer es gar nicht versucht hatten".

Gut 200 Anrufer in einen Monat, das klinge erst einmal nicht wenig. Allerdings gebe es 600 000 fachärztliche Behandlungsfälle im Monat, dagegen seien die 200 Anfragen "ein Klacks", so Noack.

 Die Zahlen bestätigten, dass es in Brandenburg kein generelles Problem mit Terminen bei Fachärzten gebe, sondern nur Einzelprobleme existierten, die bisher aber schon immer gelöst werden konnten. "Die Terminservicestelle ist vollkommen überflüssig", sagte Noack.

Sie ändere auch nichts daran, dass es in der Mark im ambulanten Bereich zu wenige Fachärzte gebe. Der medizinische Nachwuchs müsse mühsam davon überzeugt werden, dass eine berufliche Zukunft in Brandenburg lohnenswert sei.

Verantwortlich dafür seien in erster Linie politische Fehlentscheidungen des Gesetzgebers. "Da helfen Terminservicestellen genauso wenig, wie das Herbeibeten von Regen in der Sahara", sagte Noack auf der Pressekonferenz. Daher seien täglich zwei Stunden Sprechzeit der Terminservicestelle vorerst auch ausreichend.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Abwarten schlägt Op

Zumindest in den ersten sechs Jahren nach Diagnose haben Männer mit lokalisiertem Prostata-Ca eine bessere Lebensqualität, wenn sie sich nicht unters Messer legen. mehr »

No deal-Brexit? Dieses Szenario lässt NHS-Angestellte schaudern

Je mehr Zeit in ergebnislosen Verhandlungen verrinnt, desto nervöser werden Beschäftigte vor allem im Gesundheitswesen. Ein Brexit ohne Vertrag mit der EU? Im NHS fürchtet man in diesem Fall ein Desaster. mehr »

Der reine Telearzt kommt

Fernbehandlung ohne Erstkontakt in der Praxis? Im Ländle wird dieses Modell jetzt erstmals getestet. Die Kammer dort hat gerade das erste Projekt genehmigt. mehr »