Ärzte Zeitung, 14.10.2016

Zentralinstitut der KBV

Portalpraxen an allen Kliniken "Wunschtraum"

Das Konzept der Portalpraxen lässt sich nach Berechnungen des ZI nur realisieren, wenn sie sich auf 300 bis 500 Kliniken konzentrieren.

BERLIN. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) warnt vor gesundheitspolitischen "Wunschträumen", an allen derzeit an der Notfallversorgung teilnehmenden 1600 Krankenhäusern Portalpraxen realisieren zu wollen. Das sei weder kosten- noch personalmäßig zu schaffen, zeigten Modellrechnungen.

Beispiel Hausärzte: Wollte man an allen 1600 Klinikstandorten Zweischicht-Dienste von 7 bis 23 Uhr mit Hausärzten besetzen, so würde dies den 55.400 Hausärzten 21 Dienste im Jahr abverlangen. Jeder Hausarzt müsste also nahezu jede zweite Woche einen Dienst absolvieren.

ZI-Chef Dr. Dominik von Stillfried: "Eine solche Zusatzbelastung angesichts des ohnehin schon bestehenden Mangels an hausärztlichem Nachwuchs ist nicht durchsetzbar." Bei einem Stundenhonorar von 100 Euro würde sich – unter Einschluss weiterer Personal- und Sachkosten ein Aufwand von 1,7 Milliarden Euro zusätzlich ergeben.

Das ZI plädiert – gestützt auf Modellrechnungen des Gesundheitsökonomen Professor Reinhard Busse – für 300 bis 500 Kliniken mit Portalpraxen. Davon sollten 90 bis 100 Standorte auch einen fachärztlichen Bereitschaftsdienst vorhalten. Diese Portalpraxen müssten eine Gatekeeper-Funktion für den Zugang zur stationären Versorgung haben. (HL)

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