Ärzte Zeitung online, 26.04.2017
 

Bayern

Modellprojekt gegen Hausärztemangel im Landkreis Hof

Aus Drittstaaten zugewanderte Ärzte sollen für die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin gewonnen werden: Mit diesem Ziel ist in der Stadt und im Landkreis Hof in Bayern ein Modellprojekt gestartet worden.

Von Jürgen Stoschek

Modellprojekt gegen Hausärztemangel im Landkreis Hof

Überzeugt vom Modellprojekt im Landkreis Hof: Internist Marwan Khoury (l.), Geschäftsführer Klaus Tröger.

© Jürgen Stoschek

HOF. Handeln bevor es zu spät ist – nach dieser Devise hat die Ärztegenossenschaft Hochfranken jetzt zusammen mit Akut- und Rehakliniken aus der Region ein Modellprojekt zur Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung im Landkreis Hof gestartet.

Schon in wenigen Jahren werde sich die Zahl der praktizierenden Hausärzte in der Stadt und im Landkreis Hof angesichts eines hohen Anteils von über 60-jährigen Kollegen und Kolleginnen dramatisch verringern, prognostiziert der Vorsitzende der Ärztegenossenschaft Hochfranken, Marwan Khoury. Für so manche Praxis werde sich wohl kein Nachfolger mehr finden, meint der Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. Bis zu 30 000 Patienten werden sich in den nächsten Jahren wohl einen neuen Hausarzt suchen müssen, schätzt Klaus Tröger, Geschäftsführer der Ärztegenossenschaft.

Sprache wird zum Problem

Da es trotz der aktuellen Förderprogramme nicht möglich sei genügend deutschsprachige Ärztinnen und Ärzte für die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in Hochfranken gewinnen, zielt das Hofer Modellprojekt auf berufserfahrene Ärztinnen und Ärzte, die aus Drittstaaten zugewandert sind. Diese sollen für die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin gewonnen werden mit der Aussicht, dass dann davon einige auch bleiben werden. Hauptprobleme für eine Integration seien allerdings mangelhafte sprachliche Kenntnisse oder mangelnde praktische Erfahrung, räumt Tröger ein.

Eine wichtige Rolle spielen in dem Modellprojekt deshalb Sprachkurse auf C1-Niveau als Voraussetzung zur Erteilung der Approbation für nicht-deutschsprachige Ärztinnen und Ärzte, erläutert Khoury. Die von der Volkshochschule angebotenen Kurse umfassen 500 Unterrichtseinheiten, in denen Sprachkenntnisse vermittelt werden, die für eine umfassende ärztliche Tätigkeit erforderlich sind.

Mit im Boot sind nach Angaben des Hofer Gastroenterologen die Kliniken Hochfranken, der Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin, das MVZ Hochfranken, die Regierung von Oberfranken, der Landkreis Hof, die Bayerische Landesärztekammer und die Volkshochschule.

Aktuell werden in dem Modellprojekt fünf Bewerber aus Syrien, dem Jemen und aus Russland mit einem abgeschlossenen und in Deutschland anerkannten Medizinstudium betreut: Zwei Assistenzärzte sind auf eigens eingerichteten Weiterbildungsstellen für Allgemeinmedizin in den Kliniken Hochfranken tätig, drei im MVZ. Schon in den nächsten Monaten wollen sie den Sprachtest als Voraussetzung für die Approbation ablegen. Alle Teilnehmer des Projektes haben sich verpflichtet, nach abgeschlossener Weiterbildung mindestens fünf Jahre in der Region tätig zu sein.

Zu lange Approbationsverfahren

Problematisch ist nach Khourys Ansicht, dass in Bayern die Erteilung der Approbation bei Ärzten aus Drittländern viel zu lange dauert. Grundsätzlich sei es in Ordnung, dass alles gründlich geprüft wird, meint Khoury. Ob für die Gleichwertigkeitsprüfung aber immer ein Gutachten erforderlich ist und ob das ganze Verfahren bis zu 24 Monate dauern muss, sollte noch einmal überdacht werden. "Andere Bundesländer schaffen das in vier bis sechs Monaten", erklärt Khoury. Erschwerend komme hinzu, dass die Zeit bis zum Erhalt der Approbation nicht als Weiterbildungszeit anerkannt wird. Mit der Folge, dass es für diese Zeit auch keine Fördergelder gibt. Das Projekt sei daher auch auf Spenden angewiesen.

Ärzte aus dem Ausland im Visier

» Das Projekt richtet den Fokus auf berufserfahrene Ärztinnen und Ärzte, die aus Drittstaaten zugewandert sind.

» Alle Teilnehmer des Projekts haben sich verpflichtet, nach abgeschlossener Weiterbildung mindestens fünf Jahre in der Region tätig zu sein.

» Aktuell werden fünf Bewerber aus Syrien, dem Jemen und Russland mit einem abgeschlossenen und in Deutschland anerkannten Medizinstudium betreut.

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