Ärzte Zeitung online, 10.07.2017
 

KV Saarland

Ärztemangel: Noch keine Entwarnung

Schleichend altert die Ärzteschaft im Saarland. Aber noch ist akuter Ärztemangel nicht manifest.

SAARBRÜCKEN. Der befürchtete Ärztemangel hat die KV Saarland bislang weniger getroffen als befürchtet. "Wir haben keinen Rückgang der Ärztezahlen", berichtete der stellvertretende KV-Vorsitzende Dr. Joachim Meiser in Saarbrücken. Die Zahl der Hausärzte an der Saar stagniert danach seit sieben Jahren bei rund 750. Die Zahl der Fachärzte ist im Vergleich zu 2013 um 4,9 Prozent auf 1030 gestiegen, die Zahl der Psychotherapeuten sogar um 24,6 Prozent auf jetzt 273.

"Es ist im Moment nicht so schlimm, wie wir noch vor fünf bis sechs Jahren gedacht hatten", erklärte der Chef der KV Saarland, Dr. Gunter Hauptmann, bei der Vorstellung der Arztzahlen. Entwarnung könne man aber noch nicht geben. Denn möglicherweise ist das Problem nur aufgeschoben. Die Altersstruktur verschlechtert sich weiter. Im Saarland werden in den nächsten fünf Jahren 34 Prozent der Hausärzte die Altersgrenze von 65 Jahren erreichen. Bei den Psychotherapeuten sind es 38 Prozent und bei den Allgemeinchirurgen 44 Prozent. "Wenn sich die Entwicklung fortsetzt", so der KV-Vize Meiser, "können allgemeinchirurgische Leistungen irgendwann nur noch im Krankenhaus vorgehalten werden".

Ein Teil der Ärzte und Psychotherapeuten arbeitet nur in Teilzeit und immer mehr lassen sich anstellen und arbeiten nach Einschätzung der KV als Angestellte weniger im Vergleich zu Selbständigen. Im Vergleich zu 2013 hat sich der Anteil der angestellten Hausärzte auf 16 Prozent verdoppelt. "Die Entwicklung", so Meiser, "geht in Richtung 20 Prozent". Bei den Fachärzten liegt der Anteil der Angestellten n bei 25 Prozent.

Nach einer Anstellung strebt dabei nicht nur der Vertragsärzte-Nachwuchs. Auch für viele ältere Ärzte ist das offenbar attraktiv. "Da sind viele Kollegen dabei, die in den letzten Jahren vor der Rente lieber in die Anstellung gehen", so die Erfahrung von KV-Chef Hauptmann.

Nach wie vor werden im Saarland trotz aller Werbe-Anstrengungen von KV, Kammer und Landesregierung Hausärzte gesucht. Derzeit gibt es an der Saar 36 offene Hausarzt-Sitze – anders als bei den Fachärzten. Dort herrscht nach Angaben der KV fast überall Überversorgung. Blickt man allerdings nicht nur auf die Landkreise und Mittelbereiche, sondern auf die 52 Gemeinden im Saarland, dann zeigen sich in 10 bis 12 Gemeinden Versorgungslücken. Die KV hat angekündigt, Ärzten dort eine Niederlassung zu erleichtern.

Immerhin: Es ist wieder leichter geworden, für die Praxis einen Nachfolger zu finden. Registrierte die KV 2013/2014 bei den Hausärzten noch 27 "Praxis-Beendigungen ohne Nachfolge", so waren es 2015/2016 nur noch 12. "Das ist noch kein valider Trend", ist KV-Vize Meiser vorsichtig, "aber ein Grund zur Hoffnung". (kin)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

FDP-Chef gibt den "Bastafari" – Steinmeier gegen Neuwahlen

Die FDP ist aus den Jamaika-Gesprächen ausgestiegen. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier erteilt schnellen Neuwahlen eine Absage. KBV-Chef Gassen fordert Tempo. mehr »

Mit Kohlenhydrat-Tagen die Insulinresistenz durchbrechen

Typ-2-Diabetiker mit schwerer Insulinresistenz können vom Prinzip einer hundert Jahre alten Haferkur profitieren. Erfahrungsgemäß sprechen 70 Prozent der Betroffenen darauf an. mehr »

Kliniken in Nordrhein sind Vorreiter beim E-Arztbrief

Der Klinikbetreiber Caritas Trägergesellschaft West zählt zu den Vorreitern des elektronischen Arztbriefes über KV-Connect. Viele Niedergelassene sind bereits angeschlossen. mehr »