Ärzte Zeitung online, 20.02.2018

Kliniken

Krankenhaus-Planung – Auch im Süden wachsen Herausforderungen

Die Kliniklandschaft verändert sich rasant. Auch in Bayern und Baden-Württemberg geht es um den Abbau von Häusern.

Von Christina Bauer

Auch im Süden wachsen Herausforderungen

Wo geht’s lang in Kliniken? Bundesweit sind die Herausforderungen groß.

© Uta Poss / dpa

MÜNCHEN. Kleine Krankenhäuser kämpfen ums Überleben, große Kliniken profitieren – das bewirke die Bezahlung nach Diagnosis Related Groups (DRG) in Bayern, so Dr. Vitus Gamperl bei einer Veranstaltung über die Zukunft der Kliniken in München.

Gamperl leitet im Bayerischen Gesundheitsministerium das Referat für Krankenhausplanung an der Abteilung für Krankenhausversorgung. DRG begünstigten die Zentrierung von Standorten, sagte er. Sogenannte Zentren wiederum würden die Landeskrankenhausplanungsbehörde in den nächsten Monaten noch intensiv beschäftigen.

Ihre Förderung ist Teil des Krankenhausstrukturgesetzes (KHSG). Nun gehe es darum, welche Kliniken als Zentren eingestuft werden und dafür Zuschläge erhalten können. Da die Selbstverwaltung auf Bundesebene wegen Uneinigkeit die Schiedsstelle angerufen habe, müssten nun die Landesbehörden diese Festlegung übernehmen.

"Wir werden demnächst die Aufgabe der Zentren zuweisen", informierte Gamperl. Kliniken müssten einige Voraussetzungen erfüllen, von einer Mindestbettenzahl bis hin zu umfangreichen Kooperationsverträgen.

Zugeständnisse bei Geburtshilfe

Die im KHSG ebenfalls verankerten Sicherstellungszuschläge für Krankenhäuser seien dagegen in Bayern die Ausnahme. Nur wenige Kliniken erfüllten die Kriterien. Große Zugeständnisse mache speziell Bayern seit Jahren im Bereich Geburtshilfe. Um diese wohnortnah anbieten zu können, würden viele unwirtschaftliche Krankenhäuser gefördert.

Das Förderprogramm belaufe sich auf 30 Millionen Euro. Indes habe Bayern von der Opt-out Klausel für die im KHSG enthaltenen, planungsrelevanten Qualitätsindikatoren Gebrauch gemacht. Damit würden die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) entwickelten Indikatoren nicht automatisch Teil des Landeskrankenhausplans, sondern gesondert geprüft. Gamperl zufolge werde befürchtet, sonst wegen einzelner Abweichungen ganze Kliniken schließen zu müssen.

Das könne auf dem Land die Versorgung schmälern. Insgesamt mache Bayern den Kliniken wenig Vorgaben, beplant würden im wesentlichen Betten und Fachrichtungen. Hinzu kämen einige spezifische Fachprogramme und Planungsvorbehalte, etwa für die Versorgung von Schlaganfallpatienten oder schwer Brandverletzten. "Unsere Krankenhausplanung ist eine der liberalsten in der Republik", so Gamperl.

Mehr neurologische Tageskliniken

Baden-Württemberg hat die Opt-out-Klausel zu den planungsrelevanten Indikatoren ebenfalls genutzt, wie Matthias Einwag berichtete. Er ist Hauptgeschäftsführer der dortigen Krankenhausgesellschaft. In den vergangenen Jahren seien in seinem Bundesland mehrere Kliniken und Geburtshilfeabteilungen geschlossen worden. Zudem würden oft Standorte zusammengeschlossen. Mehr Kliniken, etwa Tageskliniken, entstünden dagegen in den Bereichen Neurologie und Psychiatrie.

Insgesamt habe Baden-Württemberg 520 Betten pro 100 000 Einwohner, die geringste Zahl bundesweit. Dem Krankenhaus Rating Report 2017 zufolge seien etwa 40 Prozent der Kliniken defizitär. Das habe mit den Personalkosten zu tun. "Baden-Württemberg ist ein Hochlohnland", betonte Einwag. Zudem müssten die Notaufnahmen immer mehr ambulante Fälle mitversorgen, das sei ein "Draufzahlgeschäft". Eine weitere Belastung sei der Fachkräftemangel.

Laut BWKG-Indikator 2/2017 nannten 70 Prozent der Verantwortlichen Schwierigkeiten, Pflegedienststellen zu besetzen. Pro 100 freien Stellen seien nur 45 Pflegefachkräfte arbeitsuchend gemeldet. Bundesweit seien es 77 Fachkräfte pro 100 Stellen.

Manche Kliniken zahlten nun Anwerbeprämien. Politische Maßnahmen, wie höhere Bezahlung und schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse, seien erforderlich und unbedingt zu begrüßen.

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