Ärzte Zeitung, 18.04.2008

KOMMENTAR

Wirklich ein Erfolgskonzept?

Von Christoph Fuhr

Kein Zweifel: das Ausstiegskonzept von Medi-Chef Dr. Werner Baumgärtner im Südwesten ist alles andere als schlecht durchdacht, und dafür gibt es mehrere Gründe.

In Stuttgart sitzen nicht nur Hausärzte, sondern auch niedergelassene Fachärzte im Ausstiegs-Boot. Die Basis wird breiter - eine im Vergleich zu Bayern andere Situation, die es im Zweifelsfall erlaubt, stärkeren politischen Druck auszuüben. Die alte Binsenweisheit, dass Einigkeit stark macht - sie könnte im Südwesten wieder einmal von entscheidender Bedeutung sein.

Und: Der zeitliche Rahmen für das Ausstiegsverfahren (bis Ende 2009) ist weit gesteckt und lässt viele Optionen. Dabei wird berücksichtigt, dass die individuelle Entscheidung über einen Ausstieg von Ärzten nicht über Nacht getroffen wird. Hier bietet sich für Medi die Chance, auch über einen längeren Zeitraum bei Kollegen für das Ausstiegs-Konzept zu trommeln, die bisher noch Zweifel haben.

Baumgärtner ist es darüber hinaus gelungen, das auf den ersten Blick widersprüchliche Handlungskonzept "Systemausstieg plus Abschluss von Verträgen im System" strategisch glaubwürdig zu begründen.

Also alles in Butter im Südwesten? Die Verfechter des Systemausstiegs werden einen langen Atem brauchen. Ob ihre Strategie am Ende von Erfolg gekrönt sein wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht einmal im Ansatz abzusehen. Das wird jeder Arzt, der seine Austrittserklärung abgibt, in sein Kalkül einbeziehen müssen.

Lesen Sie dazu auch:
"Wir haben die Nase voll" - Ärzte für den Ausstieg

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