Ärzte Zeitung, 11.06.2008

KOMMENTAR

Kein Grund zur Panik

Von Bülent Erdogan

Nach jahrelangem Streit haben sich die Arbeitsminister der 27 EU-Staaten auf eine Neufassung der EUArbeitszeitrichtlinie geeinigt. Akuter Grund zur Panik besteht für die Ärzte an den rund 2000 deutschen Kliniken dennoch nicht. Zwar einigten sich die Minister darauf, die zulässige wöchentliche Höchstarbeitszeit europaweit auf bis 65 Stunden anzuheben - doch bleibt es beim Prinzip der Freiwilligkeit. Zwar wird den Mitgliedstaaten erlaubt, den Bereitschaftsdienst in "aktive" und "inaktive" Zeiten aufzuteilen - doch müssten sich für eine solche Novellierung des Arbeitszeitrechts hierzulande erst einmal politische Mehrheiten finden.

Um Streit mit der inzwischen schlagkräftigen Klinikärzteschaft bereits im Keim zu ersticken, haben sowohl Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt als auch Arbeitsminister Olaf Scholz (beide SPD) denn auch eilig angekündigt, die bestehenden Regelungen nicht anzutasten. "Ich werde mich dafür einsetzen, dass in Deutschland keine übermüdeten Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus arbeiten dürfen", versichert Schmidt. Und so macht die Deutsche Krankenhausgesellschaft ihren Mitgliedern zu Recht wenig Hoffnung auf Einsparungen an dieser Stelle.

Dass die Verbände der Ärzteschaft nun dennoch mahnend den Finger gen Politiker erheben, ist ihr gutes Recht. Es liegt jetzt aber gerade an ihnen, Bestrebungen der Arbeitgeber, die Uhr doch noch zurückzudrehen, in künftigen Tarifverhandlungen endgültig den Garaus zu machen.

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