Ärzte Zeitung, 16.07.2008

Der Morbi-RSA sorgt für Chaos-Tage bei den Kassen

Neue Umverteilungsregeln zwingen Kassen zu Blindflug bei der Haushaltsplanung

BERLIN (fst). Vor dem Start des Gesundheitsfonds fürchten Kassen-Experten ein Verwaltungschaos. Im kommenden Jahr droht Kassen durch den morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) ein Planungs-Vakuum - mit potenziell fatalen Folgen für Verträge mit niedergelassenen Ärzten.

 Der Morbi-RSA sorgt für Chaos-Tage bei den Kassen

Das Alter allein sagt wenig über Versorgungskosten aus - der Morbi-RSA berücksichtigt daher 80 Erkrankungen. Montage: sb

Für die Berliner Koalition ist die Sache einfach: Im Kassen-Ausgleich werden künftig etwa 80 schwere Erkrankungen berücksichtigt. Dadurch soll das Geld im Fonds durch Zuschläge zielgenau an die Kassen fließen, die viele schwer und chronisch kranke Versicherte haben.

Anfang Juli hat das Bundesversicherungsamt (BVA) dafür die Spielregeln festgelegt. Für Wolfgang Schmeinck, Chef des BKK Bundesverbandes, birgt der neue Kassen-Ausgleich ökonomisch widersinnige Anreize: "Das Krankrechnen bringt bares Geld", sagt er der "Ärzte Zeitung".

Statt wie politisch vereinbart nur wenige schwere Erkrankungen zu berücksichtigen, umfasse der "sträflich weit gefasste Krankheitsbegriff" im Morbi-RSA 3800 ICD-10-Codes, darunter auch Hypertonie. Für Kassen werde es ökonomisch vernünftig, einen gut eingestellten Patienten mit Hypertonie zum "Chroniker" zu erklären: "Wir setzen unsere Hoffnungen auf die Ärzte, diesen gesundheitspolitischen Widersinn nicht zulasten der Gesundheit von Patienten mitzumachen", sagt Schmeinck. Der Morbi-RSA ist für ihn "so gut wie unkontrollierbar".

Das sieht Udo Barske, Sprecher des AOK-Bundesverbands, ähnlich, hat dabei aber die fehlende Planungssicherheit für den AOK-Verbund im Blick. Das System der Zuschläge sei zu ungenau: "Für sehr leichte und wenig kostenintensive Erkrankungen fließt zu viel Geld und für schwere und teure Erkrankungen zu wenig Geld an die Krankenkassen", sagt Barske.

Vorausschauend planen kann niemand: Bis November wird keine Kasse wissen, wie viel Geld sie 2009 zur Verfügung hat. Konsequenz: Integrations- und Einzelverträge kommen auf den Prüfstand.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Der Beitragszahler wird’s schon richten

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Risiko-Ausgleich lässt Kassen alt aussehen

[17.07.2008, 16:21:58]
Dr. Ernst Zimmer  dr.e.m.zimmer@mac.com
RSA
Dieses RSA genannte Verwaltungsmonstrum ist das Produkt der verfehlten Gesundheitspolitik.Propagiert von den Experten Lauterbach & Co und Tante Ulla.
Eine Kasse bundesweit und wir haben alle Risiken, die guten und die schlechten in einem Topf. Dann erübrigt sich diese Beitragsvernichtungsmaschine.


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