Ärzte Zeitung online, 06.08.2008
 

Große Bürger-Resonanz auf Aktion gegen Heilmittelregresse

DORTMUND (akr). Mehr als 120 000 Bürger haben sich an einer Unterschriftenaktion in den rund 10 000 Praxen der niedergelassener Ärzte in Westfalen-Lippe für die Abschaffung der Wirtschaftlichkeitsprüfungen bei Heilmittel-Verschreibungen beteiligt. Zu der Aktion unter dem Motto "Weg mit den Verordnungsfesseln" hatten die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) und der Hartmannbund aufgerufen.

Die Unterschriften werden Vertreter der KVWL NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) übergeben. Außerdem haben sämtliche westfälisch-lippischen Bundes- und Landtagsabgeordneten ein Schreiben erhalten mit der Bitte, sich für die erforderliche Gesetzesänderung einzusetzen.

Einige Parlamentarier haben nach Angaben der KVWL bereits Unterstützung signalisiert. "Diese Kampagne ist erst einmal nur ein Signal", sagt Dr. Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes in Westfalen-Lippe. "Aber um etwas zu bewirken, bedarf es solch gezielter Aktionen, Geduld und Zuversicht."

Hintergrund der Aktion sind die begrenzten Budgets der niedergelassenen Ärzte für Heilmittel wie Sprachtherapie oder Krankengymnastik, die genau kontrolliert werden. Auch wenn sich Ärzte an die geltenden Heilmittelrichtlinien halten, müssen sie möglicherweise mit ihrem Privatvermögen haften, wenn die Budgets nicht ausreichen.

Dieses Problem belastet niedergelassene Mediziner in der gesamten Bundesrepublik, in Westfalen-Lippe allerdings besonders stark. Hier stehen den Ärzten pro Patient 37,49 Euro für die Verschreibung von Heilmitteln zur Verfügung, im benachbarten Nordrhein sind es 50,54 Euro und in Baden-Württemberg 70,66 Euro.

"Vor allem Ärzte, die schwerkranke Patienten versorgen, werden durch Wirtschaftlichkeitsprüfungen, die sich überdies vor allem an statistischen Werten orientieren, benachteiligt und haben ein höheres Risiko zu tragen", sagt der KVWL-Vorsitzende Dr. Ulrich Thamer. "Ich betrachte mit Sorge, dass sich immer mehr engagierte Ärzte, die ihre Patienten stets gut versorgt haben, durch Wirtschaftlichkeitsprüfungen und Regresse weichgekocht, aus der Versorgung weitgehend zurückziehen."

Nach Auffassung der KVWL erfüllen Ärzte, die sich bei der Verordnung an das Regelwerk der Heilmittelrichtlinien halten, die Vorgaben des wirtschaftlichen Verschreibens. "Einer darüber hinausgehenden Prüfung bedarf es nicht", sagt Thamer.

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