Ärzte Zeitung online, 08.08.2008

Im Streit um die Ärztehonorare scheint vorerst keine Einigung in Sicht

KBV findet keine ihrer wichtigsten Forderungen erfüllt / Kassen sehen Blockadehaltung

KÖLN (akr). Die Vertreter der niedergelassenen Ärzte haben die Gespräche mit den Krankenkassen über die Reform der vertragsärztlichen Vergütung nach der ersten Verhandlungsrunde abgebrochen.

"Das Angebot der Kassenseite ist für uns vollkommen inakzeptabel", sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Dr. Andreas Köhler.

Ursprünglich sollten sich die Vertreter von Ärzten und Krankenkassen bis Ende August über die Honorare der 145 000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten verständigen. Kommt es nicht zu einer Einigung, legt das Bundesgesundheitsministerium die Vergütung fest.

Die Ärzte kritisieren, dass die Vertreter der Krankenkassen keine der drei Grundforderungen erfüllen, mit denen die Mediziner in die Verhandlungen gegangen sind und deren Erfüllung von seiten der Politik bereits zugesagt worden seien. Diese Forderungen sind die Trennung der Honoraranteile für Haus- und Fachärzte, die Angleichung der ärztlichen Vergütung in Ostdeutschland an das Westniveau und eine spürbare Erhöhung der Vergütung bundesweit. Weil sich die Vertreter der Krankenkassen an keine dieser von der Politik bereits gemachten Zusagen halten, haben die Ärzte die Gespräche bis auf weiteres ausgesetzt, teilte die KBV mit.

"Wir appellieren ausdrücklich an die Politik, sich an ihre Versprechen zu halten", sagte Köhler. Vertreter der Parteien und die Bundeskanzlerin hätten den Ärzten zugesagt, dass die Honorarsumme um mindestens 2,5 Milliarden Euro aufgestockt wird. Würde es nicht dazu kommen, wäre die Qualität und Flächendeckung der ambulanten Versorgung nicht aufrecht zu erhalten.

Die Krankenkassen fordern die Ärzte auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Eine Einigung sei zum Greifen nah gewesen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen Johann-Magnus von Stackelberg. Er wirft den Vertretern der Ärzte vor, eine Einigung zu blockieren.

Von Stackelberg warnte vor einer Festlegung der Honorare durch das Bundesgesundheitsministerium. "Wir wollen die Lösung durch die Selbstverwaltung", sagte er. Gleichzeitig griff er die Vertreter der Ärzte scharf an. Sie wollten sich "höhere Honorare auf dem Rücken der Beitragszahler verschaffen, statt gemeinsam mit den Krankenkassen an einer Lösung zu arbeiten, die allen Interessen gerecht wird", sagte er.

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