Ärzte Zeitung online, 12.08.2008

83 000 Euro Gewinn für Hausärzte? Das klingt mehr, als es ist!

BERLIN (ger/dpa). Im Streit um die Arzthonorare im kommenden Jahr werden natürlich auch die Arzteinkommen als Argumente ins Feld geführt. Doch wieviel verdient eigentlich ein Kassenarzt im Schnitt?

Die Umsätze der Vertragsärzte aus der Behandlung von Kassenpatienten sind sehr unterschiedlich. Die Spanne reicht nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums pro Jahr je nach Fachgruppe von durchschnittlich 134 000 Euro (Psychiater) bis zu knapp 415 000 Euro (Radiologen, beide Stand 2006).

Es ist schwer, das Einkommen der selbstständig tätigen Vertragsärzte mit dem Einkommen abhängig Beschäftigter zu vergleichen. Häufig werden Äpfel mit Birnen verglichen. So werden bei der Debatte um die Arzteinkommen häufig die Einkommen mit den Umsätzen gleichgesetzt. Dabei wird aber nicht bedacht, dass von diesen Umsätzen noch alle Kosten abgehen - zum Beispiel Gehälter von Medizinischen Fachangestellten und die Praxismiete. Die Kostenquoten sind je nach technischer Ausstattung der Praxen ebenfalls sehr unterschiedlich. Hohe Umsätze bedeuten also nicht unbedingt hohe Gewinne.

Doch auch nach der Ermittlung des Gewinns als dem eigentlichen Arzteinkommen ist es schwer, dieses mit den Gehalt von Angestellten zu vergleichen. Denn was bei Angestellten automatisch vom Arbeitgeber abgeführt wird - Steuern, Krankenversicherung, Rentenversicherung - muss ein Arzt noch aus dem Gewinn bezahlen. Nicht zuletzt trägt ein Arzt auch das unternehmerische Risiko. Wenn zum Beispiel ein teures Gerät kaputt geht, dann muss er die Neuanschaffung aus Rücklagen tragen.

Unter dem Strich können daher viele Ärzte allein von den Einnahmen aus der Behandlung von Kassenpatienten häufig nur noch die Kosten decken. Die Gewinne kommen dann aus Selbstzahlerleistungen bei Kassenpatienten und aus der Behandlung von Privatpatienten. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums kamen 2006 aus der Behandlung von Privatpatienten im rechnerischen Durchschnitt je Arzt rund 33 000 Euro zusätzlicher Einnahmen, also Umsätze, dazu. Je nach Praxisstandort gibt es allerdings viele Ärzte, die kaum Privatpatienten haben.

Bundesdurchschnittlicher GKV-Umsatz und GKV-Überschuss in den einzelnen Fachgruppen je Arzt (GKV-Einkommen vor Steuern):

  • Radiologen 414 827 Euro (Umsatz), 116 566 Euro (GKV-Überschuss)
  • Fachärztlich tätige Internisten 403 777 Euro (Umsatz), 112 636 Euro (Überschuss)
  • Augenärzte 224 532 Euro (Umsatz), 100 815 Euro (Überschuss)
  • Kinder- und Jugendärzte 187 096 Euro (Umsatz), 87 000 (Überschuss)
  • Urologen 201 452 Euro (Umsatz), 86 221 Euro (Überschuss)
  • Orthopäden 219 819 Euro (Umsatz), 86 169 Euro (Überschuss)
  • Frauenärzte 191 822 Euro (Umsatz), 85 169 Euro (Überschuss)
  • Allgemeinärzte 177 980 Euro (Umsatz), 83 117 Euro (Überschuss)
  • Hausärztlich tätige Internisten 186 966 Euro (Umsatz), 82 452 Euro (Überschuss)
  • HNO-Ärzte 177 569 Euro (Umsatz), 79 373 Euro (Überschuss)
  • Chirurgen 199 086 Euro (Umsatz), 71 671 Euro (Überschuss)
  • Hautärzte 165 406 Euro (Umsatz), 65 666 Euro (Überschuss)
  • Psychiater 134 100 Euro (Umsatz), 65 575 Euro (Überschuss)

GKV-Umsätze und GKV-Überschuss über alle Fachgruppen, Hausärzte insgesamt und Fachärzte:

  • alle Ärzte 204 643 Euro (Umsatz), 91 178 Euro (Überschuss)
  • Hausärzte 181 859 Euro (Umsatz), 84 240 Euro (Überschuss)
  • Fachärzte 226 239 Euro (Umsatz), 95 466 Euro, (Überschuss)
  • alle Ärzte 204 643 Euro (Umsatz), 91 178 Euro (Überschuss)

(Quelle: Bundesministerium für Gesundheit)

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