Ärzte Zeitung online, 14.08.2008

Kliniken in Nordrhein-Westfalen sehen sich finanziell am Tropf

DÜSSELDORF (frk). Zwölf Institutionen und Verbände aus dem Krankenhausbereich in Nordrhein-Westfalen (NRW) haben am Mittwoch das Aktionsbündnis "Der Deckel muss weg!" gegründet. Sie fordern eine sofortige Verbesserung der Krankenhausfinanzierung.

Bereits 2006 machten die Kliniken auf die klamme Finanzlage aufmerksam.

Foto: eh

"Die Politik lässt die Krankenhäuser durch die von ihr zu verantwortenden Kürzungen und die gesetzlich verordnete Vergütungsbegrenzung immer weiter ausbluten", kritisiert Karsten Gebhardt, Präsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen und Initiator des Bündnisses. Durch Mehrwertsteuererhöhung, gestiegene Sach- und Energiekosten und Tariferhöhungen kommen auf die 400 Krankenhäuser in NRW in den Jahren 2008 und 2009 zusätzliche Belastungen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro zu. Dem stehen Vergütungserhöhungen von lediglich 220 Millionen Euro gegenüber.

Die Situation belaste die Patienten und Mitarbeiter der Kliniken gleichermaßen, erläutert Rudolf Henke, CDU-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Marburger Bunds, der sich ebenfalls an dem Aktionsbündnis beteiligt.

Während in Großbritannien auf einen Klinikarzt 120 Patientenentlassungen kommen (Norwegen 102, Schweiz 69), sind es in Deutschland 146. "Das ist Medizin im Laufschritt", kritisiert Henke. Die persönliche Zuwendung für die Patienten bleibe dabei auf der Strecke. Viele Klinikärzte litten am Burn-out-Syndrom oder wanderten wegen der frustrierenden Personalsituation ins Ausland ab.

Die Bündnispartner fordern die sofortige Abschaffung der Sanierungsabgabe in Höhe von 0,5 Prozent der Krankenhausrechnungen. Zudem müsse die Finanzierung der Krankenhäuser auf Grundlage der tatsächlichen Kosten und unter Einbeziehung von Tarifabschlüssen erfolgen. Eine entsprechende Resolution hat das Aktionsbündnis bereits an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt gesandt.

Ihren Forderungen wollen die Teilnehmer mit mehreren Protestaktionen Nachdruck verleihen. So stiegen Mitarbeiter der Kliniken in Gütersloh am Mittwoch in voller Dienstkleidung ins örtliche Schwimmbad, um zu verdeutlichen, dass ihnen das Wasser bis zum Hals steht. Am 25. September ist eine Großdemonstration in Berlin mit Klinikmitarbeitern aus der ganzen Republik geplant.

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