Ärzte Zeitung, 25.08.2008

Aids-Hilfe setzt in NRW stärker auf Online-Beratung

Mit der Präventionsberatung soll auf die wachsende Bedeutung von Internet-Plattformen in der Schwulen-Szene reagiert werden

DÜSSELDORF (cla). Die Aids-Hilfe Nordrhein-Westfalen will ihre Online-Beratungsangebote ausbauen, um der gestiegenen Bedeutung des Internets in der Schwulen-Szene Rechnung zu tragen.

"Ähnlich wie in der Vor-Ort-Arbeit in Schwulen-Bars, Kneipen oder Saunen können wir online dort Auskunft geben, wo schwule Männer heute Kontakte knüpfen", erklärt Rainer Martin Hinkers, Vorstand der Aids-Hilfe NRW. Im Jahr 2007 lebten in Nordrhein-Westfalen 12 900 Menschen mit dem HI-Virus, 82 Prozent davon waren Männer. 70 Prozent aller Neuinfizierungen trafen Männer, die mit Männern Sex haben.

Angesichts der hohen Gefährdung Schwuler müsse sich die Prävention permanent weiterentwickeln, sagt Hinkers. Als Ergänzung zu den etablierten Informations- und Beratungsangeboten hat die Aids-Hilfe deshalb das Projekt "Online-Prävention mit Herzenslust" ins Leben gerufen. "Teil des Konzepts ist es, online Fragen zu HIV, Aids und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zu beantworten", sagt Hinkers.

Die Aids-Hilfe NRW setzt bei der Online-Prävention vorwiegend ehrenamtliche Helfer ein, die vor allem in den Abendstunden bei großen Schwulen-Internet-Plattformen wie Gayromeo Fragen beantworten, Tipps zur Primärprävention geben und beraten. Nach Angaben Hinkers stößt das Angebot auf positive Resonanz. Im ersten Halbjahr 2008 stellten allein die Gayromeo-Nutzer 3950 Anfragen.

Insgesamt arbeiten rund 1800 Ehrenamtliche bei der Organisation. Zusammen mit den 239 Teil- und Vollzeitangestellten erreichten sie 2007 knapp 400 000 Menschen. Das ist ein deutlicher Anstieg von fast zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 21 Prozent der Ratsuchenden hatten einen Migrationshintergrund.

Ein Schwerpunkt für die Aids-Hilfe ist die Aufklärung von jungen Menschen. 55 Prozent der 300 000 erreichten Personen in der Primärprävention waren 21 Jahre oder jünger. Zum Vergleich: In der Sekundär- und Tertiärprävention waren nur sieben Prozent jünger als 22 Jahre.

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