Ärzte Zeitung, 02.10.2008

Stiefkind saubere Stadtluft

Kammer-Chefin beklagt zu lasche Überwachung der Luftreinheit in Städten

HANNOVER/BERLIN (cben). Dr. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), hat von Politikern härtere Kontrollen für mehr Luftreinheit gefordert.

"Feinstaub schadet der Gesundheit - diese Erkenntnis muss endlich auch die Behörden auf den Plan rufen. Bisher geschieht in den Städten noch viel zu wenig, um die Belastung der Atemluft durch Feinstaubpartikel zu verringern", sagte Wenker beim Deutschen Lungentag in Berlin. Die Pneumologin und Kammer-Präsidentin Martina Wenker ist Vorsitzende des Ausschusses "Gesundheit und Umwelt" der Bundesärztekammer. "Die Behörden haben die Verpflichtung, die Einhaltung der Grenzwerte konsequent zu kontrollieren, dieser Verpflichtung kommen sie nur unzureichend nach", so Wenker.

Der Europäische Gerichtshof hatte erst vor kurzem entschieden, dass die EU-Staaten kurzfristige Maßnahmen ergreifen sollen. Zum Schutz der menschlichen Gesundheit sind in Deutschland zum 1. Januar 2005 neue Grenzwerte für Feinstaub (PM10) in Kraft getreten. Der Tagesgrenzwert beträgt 50 µg/m3 und darf nicht öfter als 35 Mal im Jahr überschritten werden. Der zulässige Jahresmittelwert liegt bei 40 µg/m3. Seitdem die neuen Grenzwerte gelten, richten immer mehr Städte Umweltzonen ein, in denen nur besonders abgasarme Autos fahren dürfen. Neue Umweltzonen gelten seit 1. Oktober in München und Frankfurt/Main sowie in acht Städten im Ruhrgebiet.

"Diese Maßnahmen sind sinnvoll", sagte Wenker der "Ärzte Zeitung. Feinstaub könne "nicht nur Atemwegserkrankungen hervorrufen kann, sondern auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen." Darüber hinaus mahnte sie bessere Luftqualität auch in geschlossenen Räumen an. "Aus medizinischer Sicht sollte das Hauptaugenmerk auf eine Verbesserung der Innenraumluft, zum Beispiel durch Rauchverbote gelegt werden", erklärte die Kammerpräsidentin.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Umweltzonen als Alibi reichen nicht

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Bekommen Kinder O-Beine durch Sport?

Zu O-Beinen neigen offenbar viele Kinder, die bestimmte Sportarten betreiben. Dabei wirkt die einseitige Druckbelastung im Knie als Wachstumsbremse, vermuten Forscher. mehr »

Neue Leitlinie zum Kopfschmerz durch Schmerzmittel-Übergebrauch

Schmerzmittel können vorbestehende Kopfschmerzen verstärken und chronifizieren - wenn man sie zu oft, zu lange oder zu hoch dosiert einnimmt. Eine neue Leitlinie zeigt auf, wie Ärzte solchen Patienten helfen können. mehr »

Nicht nur zu viel LDL-C ist schädlich

Atherosklerose entsteht offenbar nicht nur, wenn zu viel LDL-Cholesterin im Blut zirkuliert. Der Aufbau der Partikel scheint ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen – und hier lässt sich therapeutisch eingreifen, wie Wissenschaftler zeigen. mehr »