Ärzte Zeitung, 28.10.2008

Kommentar

Ein Tritt auf die Euphoriebremse

Von Raimund Schmid

Selten konnte man bei der 33. practica, Europas größtem Seminarkongress für Hausärzte und Medizinische Fachangestellte, so viele strahlende Gesichter von Funktionären blicken wie diesmal.

Auf den ersten Blick ist dies auch verständlich, hat doch der Hausärzteverband nun die Vertragshoheit für rund 50 000 real praktizierende Hausärzte erhalten. Beflügelt von der ermutigenden Zwischenbilanz des Modellvertrages in Baden-Württemberg träumt so mancher Allgemeinarzt schon von einer künftigen Quartalspauschale von 100 Euro und mehr und damit von goldenen Honorarzeiten.

Nur gut, dass Eberhard Mehl in seiner Funktion als Hauptgeschäftsführer des Verbandes und Dirigent des Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft (HÄVG) in Bad Orb ein wenig auf die Euphoriebremse getreten hat. Zum einen werde die Pauschale im Schnitt deutlich geringer ausfallen.

Zum anderen werden diese dennoch attraktiven Pauschalen für die meisten Hausärzte wohl erst 2010 anfallen. 2009 wird deshalb für viele Allgemeinärzte noch mal ein ganz hartes Jahr werden.

Dies gilt vor allem dann, wenn das zusätzliche Honorar für die ambulante Versorgung wieder an den Hausärzten vorbeigeht und auch die EBM-Reform einmal mehr nicht greifen sollte.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Im Südwesten bahnt ein Eisbrecher den Hausärzten den Weg in freies Fahrwasser

Lesen Sie dazu auch:
Weigeldt: Neues Zeitalter für Hausärzte

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