Ärzte Zeitung, 11.12.2008
 

BÄK verschreibt sich dem Kampf für den Erhalt der Freiberuflichkeit

Frage nach der richtigen Strategie ist nicht geklärt

BAD SEGEBERG (di). Die Bundesärztekammer will die Bedeutung der Freiberuflichkeit für Ärzte künftig stärker in den Blickpunkt rücken. Hauptgeschäftsführer Professor Christoph Fuchs bekam dafür in der schleswig-holsteinischen Kammerversammlung Unterstützung.

BÄK verschreibt sich dem Kampf für den Erhalt der Freiberuflichkeit

Verfechter der Freiberuflichkeit: Professor Christoph Fuchs.

Foto: sbra

"Es muss Schluss sein mit der Ideologie der Freiberuflichkeit": Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat deutlich gemacht, wie manche Politiker über die ärztliche Freiberuflichkeit denken. Fuchs stellte in einem Vortrag in der Kammerversammlung in Bad Segeberg klar, dass die BÄK dies nicht hinnehmen wird. Auch die Kammerabgeordneten waren sich einig über die Gefahren für die Freiberuflichkeit. Über die Strategien aber gingen die Meinungen auseinander.

Der Delegierte Dr. Norbert Jaeger etwa gab zu bedenken, dass die "schöne reine Lehre" der Freiberuflichkeit außerhalb der Gremien niemanden interessiert. "Wir tun viel zu viel - aber leider das Falsche", sagte Jaeger. Denn mit ihren ständigen Bemühungen stabilisieren Ärzte nach seiner Beobachtung ein marodes System, das dieses Engagement nicht belohnt. Schlussfolgerung ist für ihn: "Lassen wir das Schlechte geschehen".

Muss die Öffentlichkeit also erst durch die von Jaeger prognostizierte "gnadenlose Rationierung" in der Staatsmedizin erfahren, dass Freiberuflichkeit doch der bessere Weg ist? Der Delegierte Dr. Karl-Werner Ratschko glaubt eher, dass die Ärzte ihre Bemühungen für die Freiberuflichkeit noch verstärken sollten. Er erinnerte daran, dass kaum eine andere Berufsgruppe so viele Instrumente zur Verfügung hat, um sich zu wehren. Zugleich, gab HNO-Ärztin Dr. Doris Hartwig-Bade zu bedenken, sind Ärzte aber auch "so mit Arbeit zugeschüttet", dass sie keine Kraft mehr für Veränderungen haben.

Dr. Frank Niebuhr aus Lübeck ist skeptisch, ob die Gesellschaft den Ärzten bei ihrem Kampf für Freiberuflichkeit folgen möchte. Er gab zu bedenken, dass jeder zwar Gesundheit als höchstes Gut ansieht, sich aber bei der billigsten Kasse versichert.

Für Fuchs steht fest, dass etwas passieren muss. Denn nicht nur in der Bevölkerung, auch unter vielen jungen Ärzten fehlt nach seiner Beobachtung zunehmend das Verständnis für die Bedeutung der Freiberuflichkeit.

Einer Kampagne der Bundesärztekammer zur Stärkung der Freiberuflichkeit würde sich die Mehrheit der Ärzte anschließen, machte Dr. Klaus Bittmann, Vorsitzender des NAV-Virchowbundes deutlich.

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