Ärzte Zeitung online, 23.12.2008

AOK Bayern wirft KV Desinformationspolitik in Sachen Hausarztvertrag vor

Update 23. Dezember
KV Bayerns: Offener Brief zu den Folgen der Honorarreform 2009 und dem Konfrontationskurs der AOK Bayern Hier geht es zu dem Offenen Brief der KVB

NEU-ISENBURG (eb). Die Ankündigung einiger bayerischer Facharztverbände, AOK-Patienten ab 2009 nur noch gegen Kostenerstattung zu behandeln (wir berichteten), ruft nun die AOK Bayern auf den Plan. Sie verteidigt ihren Hausarztvertrag und wirft der KV Bayerns "Desinformationspolitik" vor.

Die bayerischen Kinder- und Jugendärzte, Frauenärzte, Internisten und andere Facharztgruppen stoßen sich nach eigenen Angaben an dem exklusiven Hausarztvertrag, den die AOK Bayern mit dem Bayerischen Hausärzteverband (BÄHV) vorbereitet hat und der im neuen Jahr in Kraft treten soll.

Die angegriffene AOK geht in die Offensive und lässt per Pressemitteilung verlauten: "Die angekündigten Proteste einiger fachärztlicher Berufsverbände wegen angeblich unzureichender finanzieller Ausstattung im kommenden Jahr gehen nach Angabe der AOK Bayern ausschließlich auf die Desinformationspolitik der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) zurück. Durch einen Honorarabzug von weit über 50 Prozent für die Fachärzte habe die KVB im Alleingang die neuen Fallwerte wesentlich niedriger kalkuliert, als sie tatsächlich sind."

Auch müsse davon ausgegangen werden, dass die Fachärzte nicht ausreichend darüber informiert worden seien, dass sie neben den Regelleistungsvolumen umfängliche Leistungen gesondert abrechnen könnten. "Dies betrifft gerade Fachgruppen, die aktuell besonders lautstark auftreten", heißt es in der Mitteilung weiter.

Die AOK Bayern fordert die KVB nun laut eigenen Angaben auf, "im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags die Gesundheitsversorgung der Patienten sicherzustellen und die Ärzte endlich realistisch über ihre tatsächlichen Honoraransprüche zu informieren. Andernfalls erwartet die AOK das Eingreifen des bayerischen Gesundheitsministeriums in seiner Funktion als zuständiger Aufsichtsbehörde."

Dr. Helmut Platzer, Vorstandsvorsitzender der AOK Bayern forderte außerdem die fachärztlichen Verbände dazu auf, von der KVB umfassende Informationen einzufordern, "statt Versicherten einer einzelnen Kasse mit der Verweigerung einer ihnen zustehenden Behandlung zu drohen."

"Der Unmut der Fachärzte ist nachvollziehbar, darf aber nicht zu einer Vernebelung seiner tatsächlichen Ursachen führen", so Platzer. Der AOK-Chef forderte alle Vertragspartner zudem zu einer sachlichen Auseinandersetzung auf. Dazu gehöre auch die Kenntnisnahme davon, dass mit dem AOK-Hausarztvertrag lediglich der seit 2005 bestehende Vertrag fortgeschrieben worden sei.

Hier geht es zu dem Offenen Brief der KVB »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Rätselhafter Demenz-Rückgang

Eine US-Studie deutet erneut auf eine fallende Demenz-Inzidenz, und zwar besonders in Geburtsjahrgängen ab 1925. Wisssenschaftliche Erklärungen für die Beobachtung fallen schwer. mehr »

Viele Gesundheitspolitiker verteidigen ihr Mandat

Die Großwetterlage hat sich verändert. Doch viele Fachpolitiker schaffen den Wiedereinzug ins Parlament. mehr »

Das Trauma nach der Loveparade

Das tödliche Gedränge bei der Loveparade im Sommer 2010 in Duisburg: Im ARD-Film "Das Leben danach" geht es um die Auswirkungen auf die traumatisierten Überlebenden. mehr »