Ärzte Zeitung online, 22.01.2009

Ärztegewerkschaft will deutliches Plus - Verhandlungen ab 29. Januar

BERLIN (dpa). Der Marburger Bund (MB) will die anstehenden Tarifverhandlungen für die 22 000 Uniklinik-Ärzte mit deutlichen Gehaltsverbesserungen abschließen. Die Gespräche mit der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) beginnen am 29. Januar in Berlin. "Wir müssen jetzt den niedrigen Abschluss vom letzten Mal endlich verbessern", sagte der MB-Vorsitzende Rudolf Henke am Donnerstag.

Die bislang letzte Tarifrunde war von monatelangen Streiks begleitet. Die Ärztegewerkschaft fordert Einkommenssteigerungen von neun Prozent für einfache Ärzte und acht Prozent für Fach- und Oberärzte sowie weitere Zuschläge für einzelne Gruppen. Eine sofortige Angleichung der Ostgehälter sowie eine Erhöhung der Zuschläge für Überstunden sollen dazukommen - unterm Strich beziffert der MB seine Forderungen auf im Schnitt neun Prozent mehr.

Seine Aktivierungsfähigkeit habe der MB bei den Streiks 2006 bewiesen, sagte Henke der dpa in Berlin. "Wir müssen nicht dauernd damit herumwedeln." Der damals durchgesetzte erste eigene Tarifvertrag für die Ärzte habe lediglich vorangegangene Gehaltskürzungen aufgefangen. Die Einkommen der Uniklinik-Ärzte stagnierten seit sechs Jahren. So fordert der MB zum Beispiel etwa für Ärzte ab dem fünften Jahr eine Erhöhung um 417 Euro im Monat auf 5052 Euro, für Fachärzte ab dem siebten Jahr soll es neben einer linearen Erhöhung um 453 auf 6113 Euro einen 300-Euro- Aufschlag geben.

"Ärztemangel ist überall spürbar", sagte Henke. "Stellen an Universitätskliniken können nicht reibungslos besetzt werden, pro Ausschreibung gibt es oft nur einen Bewerber." Viele Kliniken führten immer mehr komplexe Behandlungen durch. "Wir müssen jetzt die Leistungsintensivierung der Ärzte anerkennen." Beim privaten Klinikbetreiber Helios verdiene ein Assistenzarzt beispielsweise künftig sieben Prozent mehr als an Unikliniken. In den Niederlanden würden sogar im Schnitt rund 40 Prozent, in Norwegen bis zu 60 Prozent mehr gezahlt.

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (17872)
Organisationen
Marbuger Bund (1080)
Personen
Rudolf Henke (488)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wenn Einsamkeit krank macht

Ein Alterspsychotherapeut warnt: Ältere Männer sind besonders häufig suizidgefährdet. Einsamkeit ist ein Grund dafür. mehr »

Diabetes-Experten sind besorgt

Schon bald könnten mehr Lebensmittel "schlechten Zucker" enthalten. Für die Industrie wird der Einsatz von Isoglukose profitabler. mehr »

PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

Wird es mit der neuen GOÄ erschwert, Privatpatienten neue Leistungen anzubieten? Vom PKV-Verband kommt dazu ein klares Dementi. mehr »