Ärzte Zeitung online, 24.02.2009

Behandlung nur gegen Vorkasse - Krankenkassen registrieren mehr Beschwerden von Patienten

BERLIN (dpa/eb). Der Streit um die Honorarreform zeigt offenbar erste Konsequenzen in der Praxis. Die dpa berichtete am Dienstag, dass viele Patienten bei ihren Krankenkassen vorstellig würden, weil sie in Praxen keine Termine bekämen oder einige Ärzte nur gegen Vorkasse behandeln wollten.

Behandlung nur gegen Vorkasse - Krankenkassen registrieren mehr Beschwerden von Patienten

Behandlung nur gegen Vorkasse? Von zahlreichen Fällen berichten mittlerweile mehrere Krankenkassen.

Foto: Udo Kroener©www.fotolia.de

Anlässlich einer dpa-Umfrage habe die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) am Dienstag von bundesweit knapp 1500 Fällen berichtet, in denen Ärzte Kassenpatienten gar nicht oder nur gegen Vorkasse behandeln wollten. Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) meldete nach Angaben der Agentur rund 200 betroffene Patienten in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. AOK, Techniker Krankenkasse und Betriebskrankenkassen sprachen allein für Baden- Württemberg von insgesamt mehr als 300 Fällen.

Ein DAK-Sprecher rief die Ärzte auf, "den innerärztlichen Verteilungskonflikt nicht auf dem Rücken der Patienten auszutragen". Susanne Uhrig von der Barmer Ersatzkasse bezeichnete es als "nicht tragbar", dass eine Anhebung der Honorare in einer Minderung der Versorgung ende. KKH-Vorstandschef Ingo Kailuweit warnte die Versicherten ausdrücklich davor, den Forderungen nach Vorkasse nachzugeben. "Wer dennoch bar zahlt, muss damit rechnen, dass die Kosten nicht erstattet werden."

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung forderte ein hartes Durchgreifen gegen die Ärzte. "Wir sind doch nicht im Wilden Westen", sagte GKV-Sprecher Florian Lanz der "Südwest Presse". Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg wurde dem dpa-Bericht zufolge bereits für drei Ärzte der Entzug der Kassenzulassung beantragt. In anderen Bundesländern soll es ähnliche Fälle geben.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) unterstützte die Kritik der Kassen. Den Patienten müssten die vereinbarten Leistungen natürlich zur Verfügung gestellt, sagte KBV-Sprecher Roland Stahl der dpa. "Das Vertrauen der Patienten dürfen wir nicht verspielen." Die Präsidentin der Landesärztekammer Baden-Württemberg, Ulrike Wahl, nahm ihre Kollegen hingegen in Schutz: "Die Ärzte sehen sich durch die Anfang des Jahres in Kraft getretenen gesetzlichen Regelungen nie gekannten Einschnitten in der Berufsausübung ausgesetzt", wird sie in der Agenturmeldung zitiert.

CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sieht Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) in der Pflicht. Bei der neuen Honorarordnung bestehe massiver Korrekturbedarf. Die derzeitigen Verwerfungen zwischen einzelnen Ärztegruppen seien politisch nicht zu verantworten.

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