Ärzte Zeitung, 10.03.2009

Zeitungsanzeige soll Patienten aufklären

Lübecker Ärzte informieren per Annonce in der Lokalzeitung über die Auswirkungen der Honorarreform

LÜBECK (di). Lübecks Praxisinhaber geben einen Vorgeschmack auf den Wahlkampf. Per Zeitungsannonce wenden sie sich an ihre Patienten. "Unseren Praxen droht die Schließung" behaupten 187 Ärzte aus Lübeck und Umgebung in einer Anzeige in einer Lokalzeitung.

Diese Anzeige schalteten Ärzte Anfang der Woche in einer Lübecker Lokalzeitung.

Die namentlich aufgeführten Ärzte verschiedener Fachgruppen begründen ihren düsteren Ausblick mit der jüngsten Honorarreform. Für elf Fachgruppen errechnen sie das monatlich zur Verfügung stehende Honorar aus den Regelleistungsvolumina. Danach stehen den Hausärzten nur 12,52 Euro monatlich zur Verfügung, einem Frauenarzt 5,91 Euro und einem Urologen 8,61 Euro. "Damit ist eine verantwortungsvolle und kostendeckende Behandlung nicht mehr möglich. Unsere Praxen arbeiten nicht mehr wirtschaftlich und es droht die Schließung", heißt es.

Zugleich machen die Praxisinhaber schon jetzt auf die Bundestagswahl aufmerksam und fordern: "Zeigen Sie Ihre Macht als Wähler." Die Leser werden aufgefordert, ihren Abgeordneten und die aufgestellten Kandidaten nach Lösungen für die künftige ambulante Versorgung zu befragen. Die Ärzte verschweigen in der Anzeige nicht, dass Praxen neben den RLV weitere Einnahmen haben. Sie stellen aber klar, dass sie davon keine Rettung ihrer Praxen erwarten. "Nur einzelne spezielle Leistungen werden zusätzlich vergütet, jedoch zu viel zu niedrigen Gebührensätzen", heißt es in der Anzeige. Einige Ärzte machen auch auf ihrer Praxis-Website auf die Probleme aufmerksam. Die hausärztlich-internistische Gemeinschaftspraxis von Dr. Heinrich Brandt und Dr. Cathrin Krieger-Rosemann etwa informiert unter dem Link "Aktuelles": "Unsere Praxis wird ab diesem Jahr wahrscheinlich mit 15 bis 20 Prozent weniger Geld auskommen müssen". Weiter heißt es: "Alle Hausarztpraxen sind ähnlich betroffen. Und dabei geht es uns noch vergleichsweise ,gut‘, die niedergelassenen Fachärzte trifft es zum Teil viel viel schlimmer, Einnahmerückgänge von bis zu 50 bis 60 Prozent sind angedroht worden. Da fragt man sich, wo das Geld (Ihr Versicherungsbeitrag!) eigentlich versackt?!"

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Ärzte erzwingen eine neue Agenda

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