Ärzte Zeitung online, 16.07.2009

Gemeinsamer Bundesausschuss: Kosten-Nutzen-Bewertung kommt in einem Jahr

BERLIN (ami). Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Weichen für die Umsetzung der Kosten-Nutzen-Bewertung (KNB) gestellt. Die Kosten-Nutzen-Bewertung kann damit voraussichtlich im September starten.

Für diesen Zeitpunkt ist das erste Methodenpapier des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) angekündigt. Eine Motivation für die Anpassung der Verfahrensordnung des Ausschusses war die bevorstehende Bundestagswahl. Das Verfahren sollte noch vor der Wahl in Gang gebracht werden, so GBA-Chef Dr. Rainer Hess.

Bis die erste KNB vorliegt, dürfte dennoch etwa ein Jahr ins Land gehen. Der Prozess ist mit mehreren Anhörungsverfahren verknüpft, für die allein rund acht Monate veranschlagt werden. Das Ergebnis soll dann zur Festsetzung von Höchstbeträgen für innovative Arzneimittel führen, die keiner Festbetragsregelung unterliegen. Zudem kann der GBA auf Basis der IQWIG-Ergebnisse Therapiehinweise oder -einschränkungen vornehmen.

Das Verfahren wird nur für Wirkstoffe angewandt, für die ein Nutzen oder Zusatznutzen in einer vorausgehenden Nutzenbewertung durch das IQWIG bereits festgestellt wurde. Das war zuletzt im Juni bei dem Antidepressivum Bupropion der Fall. Auch für den Thrombozytenaggregationshemmer Clopidogrel hat das Institut einen solchen Nutzen mit Einschränkungen festgestellt.

Weitere Beschlüsse:

  • Der Ausschuss hat in seiner Sitzung am Donnerstag außerdem besprochen, welche Schritte zur Regelung der Diamorphin-Behandlung Schwerstopiatabhängiger auf Krankenschein nötig sind. GBA-Chef Dr. Rainer Hess rechnet damit, dass das Verfahren in der Regelversorgung nicht vor dem 1. Januar 2010 angeboten werden kann. Der Übernahme in die Regelversorgung hat der Bundesrat am 10. Juli abschließend zugestimmt.
  • Die Protonentherapie im Krankenhaus bei Leberzellkrebs kommt künftig auf GKV-Kosten nur noch solchen Patienten zugute, die einen inoperablen Tumor haben. Das sind laut GBA rund 1000 Patienten. Die Regelung gilt bis 2016 und ist an Qualitätsanforderungen geknüpft. Bei operablen Leberzellkrebs ist die Operation die Therapie der Wahl, da der Nutzen der Protonentherapie nach Einschätzung des Ausschusses bislang nicht nachgewiesen ist.
  • Patienten mit der seltenen Erkrankung Immunapherese sollen künftig auch unter Studienbedingungen zulasten der GKV behandelt werden können. Ein entsprechendes Studienkonzept hat die Charité vorgelegt.

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