Ärzte Zeitung, 31.08.2009

Geriatrische Komplexbehandlung setzt sich durch

Die ambulant-geriatrische Komplexbehandlung etabliert sich in Mecklenburg-Vorpommern an immer mehr Standorten.

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Im Uhlenhaus in Stralsund soll bald der zweite Standort entstehen.

Foto: di

SCHWERIN (di). Ein Modellprojekt macht Schule: Im Nordosten soll die ambulant-geriatrische Komplexbehandlung ausgeweitet werden.

Der Geriater Dr. Dieter Hotzelmann schult seit rund einem Jahr in enger Kooperation mit Therapeuten alte Menschen in Waren in 20-tägigen Kursen. Drei Maßnahmen pro Tag erhalten die zehn bis 14 Teilnehmer je Kurs. Die Anwendungen zur ganzheitlichen Mobilisierung helfen etwa bei der Vermeidung von Klinikeinweisungen.

Hotzelmann koordiniert die für jeden Patienten notwendigen Leistungen, die je nach Bedarf von Physio- und Ergotherapeuten, Masseuren, Pflegekräften oder Logopäden ergänzt werden. Verantwortlich ist der Arzt als Chef einer für diese Leistungen gegründeten GbR, die sich auch um den Transport der Patienten kümmert. Dieses Modell funktioniert nach Beobachtung der Beteiligten vor Ort sowie der AOK und der KV Mecklenburg-Vorpommern (KVMV) so gut, dass die ambulant-geriatrische Komplexbehandlung nun auch an anderen Standorten angeboten werden soll. In Stralsund wird unter Leitung von Dr. Ronald Zabel demnächst im Zentrum Uhlenhaus der zweite Standort seine Arbeit aufnehmen, auch für Wolgast laufen die Vorbereitungen. Dr. Reinhard Wosniak von der KVMV möchte flächendeckend Standorte finden, an denen das Modell übernommen wird.

Die Patienten bleiben in ihrem gewohnten Umfeld

Denn außer den Kassen, die damit teure Klinikaufenthalte vermeiden, sind auch die Patienten zufrieden, weil sie in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Und: "Manche Teilnehmer knüpfen auch Kontakte in den Gruppen", berichtet der KV-Abteilungsleiter. Wünschenswert wären aus seiner Sicht 15 bis 20 Standorte im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern. Diese Zahl kann allerdings wegen der geringen Zahl von Geriatern nicht erreicht werden. Landesweit gibt es nur acht niedergelassene Geriater oder Gerontopsychiater. Weil für die Zusatzbezeichnung 18 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten in einer Klinik erforderlich sind, wird es kaum Nachfrage aus Praxen dafür geben.

Interessant könnte das Modell aber für Ärzte sein, die diese Weiterbildung absolvieren und sich dann niederlassen wollen. Entlohnt wird die GbR mit einer Komplexpauschale, aus der die jeweils hinzugezogenen Leistungserbringer honoriert werden. Pro Teilnehmer beträgt die Tagespauschale 105 Euro (bis zum 130. Teilnehmer) und 97,50 Euro (vom 131. bis maximal 180. Teilnehmer im Jahr). Nachdem die AOK als Vorreiter das Modell mitgetragen hat, sind nach Auskunft der KVMV inzwischen auch Barmer und DAK bereit, die Kosten für die Schulungen zu übernehmen. Anfängliche Irritationen bei behandelnden Hausärzten der Teilnehmer, berichtet Wosniak, konnten schnell ausgeräumt werden.

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