Ärzte Zeitung online, 01.09.2009

Schmidt fordert Stopp von Klinik-Prämien für Ärzte

BERLIN (dpa). Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat ein Ende von Prämienzahlungen von Kliniken an Ärzte für die Einweisung ihrer Patienten gefordert. Solches Extrahonorar sei klar berufsrechtswidrig, sagte Schmidt der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstag). An die Ärzteorganisationen gerichtet sagte sie: "Ich erwarte, dass derartige Praktiken durch die Kammern, die KVen und die Berufsverbände so schnell wie möglich abgestellt werden."

Hintergrund ist, dass Kliniken nach Insider-Angaben immer öfter Ärzte bezahlen, wenn sie ihnen Kranke zur Behandlung schicken. Auch die Ersatzkassen reagierten empört. Der Chef ihres Verbands, Thomas Ballast, sagte am Dienstag in Berlin: "Die Patienten vertrauen ihren Ärzten. Sie erwarten, dass ihr Arzt ihnen eine gute Klinik empfiehlt und sie dort einweist, wo sie die bestmögliche Behandlung erwarten können." Ärzte-Organisationen müssten zu Sanktionen greifen.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, kritisierte bei einer Veranstaltung in Berlin "das ständige Diktat der Ökonomie", unter dem Ärzte und Patienten zu leiden hätten. In Folge gebe es auch "ethische Fallen", sagte Köhler, ohne direkt auf die Debatte einzugehen. Der Berufsverband Deutscher Internisten kritisierte Zahlungen für Einweisungen als juristisch und moralisch verwerflich. Die Unabhängigkeit des Arztes sei in Gefahr, wenn der Arzt von einer Krankenhaus-Einweisung einen finanziellen Vorteil habe, sagte Verbandspräsident Wolfgang Wesiack.

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