Ärzte Zeitung online, 13.09.2009

"Kranke Menschen als gewinnbringende Ware" - 20 000 protestieren in München

MÜNCHEN (sto). Gegen den "Ausverkauf unseres Gesundheitswesens an Investoren, die kranke Menschen zur gewinnbringenden Ware machen" wollen, haben am Sonntagnachmittag im Münchner Olympiastadion schätzungsweise rund 20 000 Patienten sowie Ärzte und Beschäftigte im Gesundheitswesen protestiert.

Bei der Großkundgebung mit Musik-, Kabarett- und Theatereinlagen, zu der die Initiative "Patient informiert sich" und der Bayerische Hausärzteverband aufgerufen hatten, wandten sich die Redner gegen eine Privatisierung und Durchökonomisierung des Gesundheitswesens. Milliardenschwere Kapitalgesellschaften seien im Begriff, das solidarische Gesundheitswesen abzuschaffen, erklärte die Autorin Renate Hartwig aus Nersingen bei Neu-Ulm und Initiatorin der Protestbewegung. Weil die freien Arztpraxen dieser Entwicklung im Weg stünden, würden die Ärzte immer wieder über die Medien diffamiert, um sie so zum "verwundeten Hund" zu machen, den man dann umso leichter "abschießen" könne, erklärte Hartwig.

Alle Warnungen vor einer Privatisierung und Entsolidarisierung des Gesundheitswesens seien bisher immer als Verschwörungstheorie abgetan worden, erklärte der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes, Dr. Wolfgang Hoppenthaller. Tatsächlich gehe der Ausverkauf des Gesundheitswesens jedoch "still und heimlich" weiter. So habe die Rhön-Klinikum AG allein für das kommende Jahr 1,5 Milliarden Euro für den Kauf von weiteren Krankenhäusern und Arztpraxen eingeplant. Zugleich führe die Politik der Krankenkassen dazu, dass viele Arztpraxen wegen Nachwuchsmangel nicht mehr besetzt werden können.

Kritik äußerte Hoppenthaller auch an der geplanten Einführung einer elektronischen Patientenakte, die von den Konzernen benötigt werde, damit Kranke im System richtig codiert und im Hinblick auf ihre Rentabilität berechnet werden können. Der Patient werde zur wirtschaftlichen Ressource für Aktiengewinne und die Gesundheit zur Ware. Die globale Speicherung aller Patientendaten werde so zu einem Orwellschem Alptraum, sagte Hoppenthaller.

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