Ärzte Zeitung, 23.09.2009

Facharztverband will politische Diskussion anstoßen

MÜNCHEN (sto). Für eine grundlegende Reform des Gesundheitswesens hat sich der Bayerische Facharztverband in München ausgesprochen. Die Gesundheitsreform sei gescheitert, erklärte die Vorsitzende des Facharztverbandes, Dr. Ilka Enger. Durch einen falschen Wettbewerb würden falsche Anreize gesetzt, die den Patienten schaden.

So habe der Ersatz der Einzelleistungsvergütung durch Pauschalen zur Folge, dass der Geldfluss im Gesundheitswesen nicht mehr durch den notwendigen Behandlungsbedarf der Patienten, sondern durch deren Diagnosen gelenkt wird, erklärte Dr. Manfred Appel. Dadurch werde eine Gewinnmaximierung ermöglicht, wenn möglichst viele Patienten mit vielen schwerwiegenden Diagnosen mit möglichst wenig Aufwand behandelt werden. "Die Gesundheit wird damit zur Ressource und der Patient zur Ware", sagte Enger.

Angesichts dieser Situation wolle ihr Verband seiner gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht werden und arbeite deshalb an einem neuen Modell zur Gesundheitsreform, teilte Enger mit. Gefordert wird eine Versicherungspflicht für alle, Kontrahierungszwang der Kassen und die Einführung der Kostenerstattung. Für die Ärzte müsse es eine einfache Gebührenordnung geben, sagte Appel. Der Bayerische Facharztverband, der seit Anfang des Jahres existiert, habe inzwischen etwa 700 Mitglieder und vertrete damit ungefähr zehn Prozent der Fachärzte in Bayern, erklärte Enger.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Welche Rolle sollen pränatale Bluttests künftig spielen?

Der GBA ist aktuell dabei, über die Kassenerstattung von pränatalen Bluttests zu entscheiden. Bundestagsabgeordnete fordern hierzu auch eine begleitende ethische Debatte. mehr »

Versäumte HPV-Impfungen bis zum Alter von 20 nachholen!

Werden Frauen erst jenseits des 20. Lebensjahres geimpft, ist der HPV-Schutz fraglich, berichten Forscher. Sie plädieren deshalb für einen möglichst frühen Beginn der Impfserie. mehr »

Krebsangst darf Blutdrucktherapie nicht gefährden

17 UhrDie Angst vor Krebs ist hoch und mancher Patient könnte den falschen Schluss ziehen, nun lieber ganz auf Valsartan zu verzichten, warnt nun auch die Deutsche Hochdruckliga. mehr »