Ärzte Zeitung online, 09.10.2009

Kammer: Psychische Leiden werden zu spät erkannt

BERLIN (hom). Nach Einschätzung der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) werden in Deutschland noch immer viele psychische Erkrankungen nicht rechtzeitig diagnostiziert.

Jeder gesetzlich Krankenversicherte könne sich heute direkt an einen Psychotherapeuten wenden, sagte Kammerpräsident Professor Rainer Richter anlässlich des am Samstag stattfindenden Internationalen Tages der Seelischen Gesundheit (wir berichteten). Allerdings suchten die meisten psychisch kranken Menschen in Deutschland zunächst ihren Hausarzt auf. Die Hausärzte würden jedoch im Schnitt nur jede dritte generalisierte Angststörung erkennen. "Depressive Erkrankungen werden nur in zwei von drei Fällen richtig diagnostiziert”, gab Richter zu bedenken.

Dadurch bekämen viele psychisch Erkrankte zu spät eine fachgerechte Behandlung und erkrankten schwerer. Neben Hausärzten müssten auch Krankenschwestern und ambulante Pflegedienste künftig besser qualifiziert werden, um psychische Erkrankungen zu erkennen, forderte der Experte. Kritik übte Richter auch den Früherkennungsuntersuchungen für Kinder und Jugendliche (U1 bis U9 und J1). Bei den Untersuchungen fehle es bislang an systematischen und validen Screenings für psychische Krankheiten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Diese Aspekte schinden den Körper von Astronauten

Die Forschung auf der ISS liefert wichtige Erkenntnisse, ist aber Schwerstarbeit für den Organismus. Was passiert dabei mit dem Körper genau – und wozu das Ganze? mehr »

GBA warnt Spahn vor GKV-Systembruch

Der Versuch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bewertungsverfahren im Gemeinsamen Bundesausschuss zu umgehen, stößt auf massive Gegenwehr – nicht nur im GBA. mehr »

§219a – Eine Reform und ihr Preis

Nach dem Beschluss im Bundestag, dürfen Ärzte künftig darüber informieren, dass sie Abtreibungen anbieten. Doch glücklich ist mit dem Kompromiss niemand. Auch nicht mit der Studie zu den Folgen einer Abtreibung. mehr »