Ärzte Zeitung, 12.10.2009

In den nächsten sechs Jahren geht jeder zweite Hausarzt in den Ruhestand

Alarmstufe rot im Norden: Viele Ärzte geben ihre Praxen auf, Nachwuchs ist in großer Zahl nicht in Sicht.

Von Dirk Schnack

In den nächsten sechs Jahren geht jeder zweite Hausarzt in den Ruhestand

Arzt im Dienst: Für viele Ärzte im Norden ist damit bald Schluss.

Foto: dpa

KIEL (di). Um einen Ärztemangel im Norden zu verhindern, fordert die KV Schleswig-Holstein umfangreiche Änderungen. Ein Versorgungsbericht zeigt den Handlungsbedarf.

"In den nächsten sechs Jahren werden in Schleswig-Holstein rund 900 Hausärzte - und damit fast die Hälfte der Allgemeinmediziner - in Ruhestand gehen. Nachwuchs in derselben Größenordnung ist nicht in Sicht", fasste die KV die wichtigste Botschaft des aktuellen Berichtes zur ambulanten Versorgung im Norden zusammen. Nur jeder fünfte hausärztlich tätige Vertragsarzt ist jünger als 45 Jahre. Auch in der fachärztlichen Versorgung drohen erhebliche Lücken. Ohne Nachbesetzungen wird etwa die Zahl der Gynäkologen im Land von heute 332 auf 197 im Jahr 2015 sinken. Die Zahl der Augenärzte wird ohne Nachfolger von 175 auf 115 zurückgehen.

Als mögliche Ursachen für die nachlassende Motivation junger Ärzte, in die Niederlassung zu gehen, vermutet die KVSH die unberechenbaren Verdienstmöglichkeiten, die hohen Investitionskosten und die Überregulierung im Gesundheitswesen. Da zugleich der Versorgungsbedarf einer älter werdenden Bevölkerung steigt, forderte die KVSH einen Kurswechsel in der Gesundheitspolitik, der mehr Gestaltungsspielraum in der regionalen Versorgung zulässt. Beispiel Bedarfsplanung: Mit mehr Freiheiten könnte die KV diese kleinräumiger gestalten und damit verhindern, dass ein Großteil der Ärzte sich im jeweiligen Zentrum eines Kreises ansiedeln, während das Umland leer ausgeht.

Auf Landesebene will die KV als unmittelbar Beteiligte bei der Krankenhausplanung mitreden. Begründung: "Jede Entscheidung zur Krankenhausplanung hat unmittelbare Auswirkungen auf die ambulante Versorgung." Vom Land erwartet die Körperschaft konkrete Unterstützung bei der Nachwuchsgewinnung in der ambulanten Medizin. Die KV verweist hier auf Vorbilder wie NRW, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Zugleich wünscht sich die KV eine grundlegende Neugestaltung der Honorierung ärztlicher Leistungen: "Konkret sollte umgehend die Einzelleistungsvergütung in der Region Schleswig-Holstein modellhaft erprobt werden."

Von der Bundesebene fordert die KV auch eine Stärkung der Freiberuflichkeit, Stimmrecht für KVen bei der Entscheidung über Genehmigungen nach Paragraf 116b, keine Steuerung des Niederlassungsverhaltens durch Honorarzu- oder abschläge, eine Revision des Gesundheitsfonds und eine Stärkung des Kollektivvertragssystems.

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