Ärzte Zeitung online, 02.12.2009

Betrugsvorwürfe: Ärztekammer-Präsident im Saarland zurückgetreten

SAARBRÜCKEN (kin). Der Präsident der saarländischen Ärztekammer, Dr. Franz Gadomski, ist zurückgetreten. Die Kammer wird vorerst von Vize-Präsident Dr. Josef Mischo geführt.

Der 67-jährige Gadomski zog damit die Konsequenzen aus den anhaltenden Abrechnungs-Vorwürfen gegen ihn. "Ich bin sicher, dass das Ermittlungsverfahren gegen mich keine betrügerischen Falschabrechnungen ergeben wird", erklärte Gadomski in einer Pressemitteilung. Er könne es aber nicht länger verantworten, dass durch "eine infame Hetzkampagne" Amt und Ärztekammer Schaden nähmen. Deshalb habe er sich entschlossen, nach mehr als zehn Jahren sein Amt mit sofortiger Wirkung zur Verfügung zu stellen. Die Ärztekammer an der Saar wird nun bis zur Wahl eines neuen Präsidenten vom ersten Vize-Präsidenten Dr. Josef Mischo geführt.

Gegen Gadomski und mehrere andere saarländische Kassenärzte ermittelt seit Wochen die Saarbrücker Staatsanwaltschaft (wir berichteten). Anlass ist eine Anzeige der Krankenkasse KKH-Allianz. Den Ärzten wird vorgeworfen, Vorsorge-Untersuchungen zu oft abgerechnet zu haben. Im Saarland sollen insgesamt knapp 170 000 Euro zuviel abgerechnet worden sein. Die Kassenärztliche Vereinigung hatte nach den Vorwürfen alle 1900 Kassenärzte an der Saar überprüft. 39 von ihnen müssen jetzt mit einem Disziplinarverfahren rechnen. Der 67-jährige Gadomski war erst im Sommer als Kammer-Präsident für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt worden.

Lesen Sie dazu auch:
Kammer-Chef Gadomski will im Amt bleiben
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