Ärzte Zeitung, 13.01.2010

Klinikärzte gehen selbstbewusst in bevorstehende Tarifgespräche

Der Marburger Bund will für die Ärzte an kommunalen Kliniken fünf Prozent mehr Gehalt und eine bessere Bezahlung von Bereitschaftsdiensten herausschlagen. Leicht werden die Verhandlungen nicht.

Von Thomas Hommel

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Lockvogel Ausland: Mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen könnten junge Ärzte davon abhalten, meint der Marburger Bund. © imago

BERLIN. Trotz Wirtschaftskrise und klammer öffentlicher Haushalte will die Gewerkschaft der Krankenhausärzte, Marburger Bund (MB), für die rund 55 000 Ärzte an den kommunalen Kliniken in den bevorstehenden Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst eine "spürbare" Gehaltsverbesserung durchsetzen. "Eine lineare Anpassung der Gehälter von Ärzten an kommunalen Krankenhäusern um durchschnittlich fünf Prozent ist wirtschaftlich vertretbar und tarifpolitisch geboten", sagte MB-Chef Rudolf Henke am Mittwoch vor Journalisten in Berlin.

In den Tarifverhandlungen 2008 sei es zwar gelungen, den über Jahre gewachsenen Nachholbedarf bei den Gehältern der Klinikärzte "wenigstens teilweise zu kompensieren". Damals hatten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft auf im Schnitt 3,8 Prozent mehr Geld geeinigt. Von einer "wirklich leistungsgerechten Bezahlung" ärztlicher Arbeit seien die kommunalen Kliniken aber noch immer meilenweit entfernt, sagte Henke.

Besonders deutlich zeige sich das am Beispiel der Bereitschaftsdienste, sagte MB-Tarifexperte Lutz Hammerschlag. Bislang sei die Vergütung für die anstrengenden Dienste, die in der Regel 24 Stunden am Stück dauern - acht Stunden Vollarbeit und 16 Stunden Bereitschaftsdienst -, "absolut unverhältnismäßig". Ein Zuschlag für einen Nachtdienst von 1,28 Euro brutto je Stunde komme einem "Tritt in den Hintern" der Ärzte gleich, so Hammerschlag. "Hier wollen wir endlich eine vernünftige Bezahlung." Bereitschaftsdienst dürfe für Ärzte nicht länger ein "Nullsummenspiel" sein.

Leicht würden die Tarifgespräche mit den kommunalen Arbeitgebern, die am Montag in Frankfurt am Main beginnen, nicht, betonte Hammerschlag. "Ich erwarte ausgesprochen schwierige Verhandlungen." Die Kliniken seien aber gut beraten, auf die Forderungen der Ärzte einzugehen. Denn ohne eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Krankenhaus lasse sich der Mangel an Klinikärzten langfristig nicht beheben.

Um freie Arztstellen auch künftig besetzen zu können, müssten kommunale Kliniken "konkurrenzfähige Gehälter" zahlen. Ansonsten würden Ärzte an andere Häuser gehen oder sich ganz von der kurativen Medizin abwenden und in alternative Berufsfelder oder ins Ausland abwandern. Dieser Aderlass treffe am Ende auch das Krankenhaus.

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