Ärzte Zeitung, 28.01.2010

Rösler bittet zur Spar-Sprechstunde

Gesundheitsminister holt Kassen und Arzneihersteller an einen Tisch  / "Bin nicht für Gewinnmargen verantwortlich"

BERLIN (hom/bee). Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat Vertreter der Kassen und der Pharmaverbände zu Gesprächen eingeladen, um Möglichkeiten zur Begrenzung der Arzneimittelausgaben auszuloten.

Rösler bittet zur Spar-Sprechstunde

Dr. Philipp Rösler: Die Nutzen-Kosten-Relation eines neuen Arzneimittels müssen künftig stärker betrachtet werden. © dpa / Bildfunk

"Wir werden Einsparpotenziale suchen und für die Versicherten heben", sagte Rösler der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Nach Angaben des Ministeriums starten die Gespräche Mitte Februar. Rösler wolle mit Kassen und Pharmavertretern getrennt sprechen, sagte eine Sprecherin der "Ärzte Zeitung".

Die Nutzen-Kosten-Relation eines neuen Arzneimittels müsse künftig stärker betrachtet werden, so Rösler. Als Gesundheitsminister sei er nicht dafür verantwortlich, "dass die Pharmaunternehmen ihre Gewinnmargen mit neuen Präparaten hoch halten, sondern dafür, dass sie innovative Medikamente auf den Markt bringen, die den Patienten nützen". Die Einladung Röslers kommt nicht von ungefähr. Im Zuge der Ankündigung mehrerer Kassen, einen Zusatzbeitrag zu erheben, wird verstärkt über Kostendämpfung diskutiert.

Allen voran der GKV-Spitzenverband drängt, sich stärker der Ausgabenseite der GKV zu widmen. Verbandschefin Doris Pfeiffer hatte sich für ein "Ausgabenmoratorium" bei den Kassen ausgesprochen (wir berichteten). Eine Sprecherin des Verbands sagte, die Kassen begrüßten "ausdrücklich" die Initiative Röslers. Das sieht Henning Fahrenkamp für den Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) genauso, hält aber fest, es gebe eine "Finanzmisere der GKV und keine Ausgabenmisere im Arzneimittelbereich".

Es fehle ein "ordnungspolitischer Rahmen, der zwischen Leistungserbringern, Industrie, Krankenversicherungen, Versicherten und Arbeitgebern eine selbstregulierte Balance herstellt", monierte Fahrenkamp. Ein solches Konzept könne "dem Patienten Gesundheitswesen die jährliche Notaufnahme in der Politik ersparen".

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Das ist bei einer Datenpanne zu tun

Bei einem Datenleck in der Praxis sind Inhaber nach der Datenschutzgrundverordnung verpflichtet, dies zu melden. Wem und wie, das erläutern Medizinrechtler. mehr »

Urologen befeuern Diskussion um Herztoddiagnostik

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie fordert große Reformen bei der Organspende. DGU-Präsident Professor Paolo Fornara erläutert im Interview, welche Neuregelungen seiner Meinung nach dringend nötig sind. mehr »