Ärzte Zeitung online, 16.03.2010

Früherkennung bietet viele Chancen

BERLIN (sun). Der Früherkennung von Krankheiten soll der gleiche Stellenwert zugestanden werden wie den anderen Säulen der Prävention. Das fordert der Verband der Diagnostica-Industrie (vdgh).

"Angesichts des anhaltenden Kostendrucks im Gesundheitswesen sind Maßnahmen zur Effizienzsteigerung gefragt", sagte vdgh-Chef Jürgen Schultze in Berlin. Nach Ansicht der vdgh ist es sinnvoll, die Krankheitsfrüherkennung weiter zu stärken. Allerdings sei die sogenannte Sekundärprävention bei den bisherigen Weichenstellungen in der Präventionspolitik zu kurz gekommen.

Der Verzicht des Bundesgesundheitsministeriums auf ein Präventionsgesetz biete hingegen mehr Vor- als Nachteile, so Schultze. "Auf diese Weise können jene Präventionsmaßnahmen pragmatisch angepackt und vorangebracht werden, die schnelle medizinische und volkswirtschaftliche Erfolge versprechen." Der vdgh habe sich bereits im vergangenen Jahr für eine Präventionspolitik der kleinen Schritte ausgesprochen. Es sei viel zu schwierig und zeitraubend, alle Aspekte der Prävention in einem Gesetz umfassend zu regeln.

Vor allem bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen würde die Früherkennung viele Chancen bieten. "Immer noch sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 370 000 Menschen durch Gefäßerkrankungen", betonte der Labormediziner Professor Winfried März. Die Methoden der Früherkennung würden in den nächsten Jahren immer weiter verfeinert werden. Allerdings sei die Sekundärprävention bisher aber noch wenig akzeptiert. "Viele Maßnahmen der Krankheitsfrüherkennung sind bereits in den entsprechenden Programmen der gesetzlichen Krankenkassen enthalten. Dennoch werden sie zu wenig genutzt", betont Schultze. Hier seien Ärzte und Krankenkassen gefordert, die Patienten besser über die bestehenden Vorsorgeprogramme aufzuklären. Zudem halte es der vdgh für erforderlich, regelmäßig zu prüfen, ob "die gesetzlichen Früherkennungsprogramme noch state-of-the-art sind". Manchmal müsste man eben Innovationen in die Richtlinien aufnehmen und veraltete Maßnahmen streichen, forderte Schultze

Prävention dürfe aber kein Selbstzweck werden, warnte der Gesundheitsökonom Professor Volker Ulrich. Es sei wenig hilfreich, nur früher an seiner Gesundheit zu zweifeln. Daher sei eine gezielte Beratung der Patienten über Vor- und Nachteile der Maßnahmen besonders wichtig.

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