Ärzte Zeitung, 26.03.2010

Trierer Orthopäden machen eine Woche lang nur noch Dienst nach Vorschrift

Weil sie die neuen Vergütungsregelungen zur Verzweiflung treiben, haben Orthopäden vorübergehend die Sprechstundenzeiten deutlich reduziert.

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Liegt in der Direktabrechnung die Zukunft? Trierer Ärzte gehen davon aus. © Seeliger / imago

TRIER (chb). Wer in und um Trier derzeit einen Orthopäden braucht, muss Geduld haben. Denn aus Protest gegen die Auswirkungen der Honorarreform haben die orthopädischen Praxen für eine Woche, bis einschließlich nächsten Mittwoch, die Sprechstundenzeiten erheblich reduziert. Kassenpatienten werden nur noch in Notfällen behandelt oder wenn sie einen schon vor langer Zeit vereinbarten Termin haben.

Auf die Frage, was er mit der Aktion erreichen will, antwortet Dr. Wolfgang Hagedorn: "Das ist eine gute Frage, denn wir sind gegenüber den Institutionen ohnmächtig." Hagedorn ist einer der 25 niedergelassenen Chirurgen und Orthopäden, die zur Zeit nur noch in erheblich reduziertem Umfang arbeiten. Und er denkt wie seine Kollegen darüber nach, in nächster Zeit sporadisch immer mal wieder am Ende des Quartals die Sprechzeiten deutlich einzuschränken. "Eigentlich hätte ich meine Praxis schon Mitte Februar zumachen können, denn da waren die mir zugeteilten Leistungen schon weg", sagt Hagedorn. Er fühlt sich mit einem Regelleistungsvolumen von 21 Euro und einer Vergütung von 7,20 Euro pro Röntgenbild einfach schlecht bezahlt. Hinzu komme, dass er seine Abrechnungen nicht mehr verstehe. "Kein Mieter würde eine so unverständliche Nebenkostenabrechnung je akzeptieren", sagt Hagedorn.

Der Orthopäde spricht sich für die Kostenerstattung aus, "und ich will keinesfalls, dass die kleinen Leute deshalb bluten müssen", betont er. Nur sei die Kostenerstattung ein transparentes und faires System. "Da sieht man gleich wer viel und wenig verdient und warum", so Hagedorn. Wer die Direktabrechnung kategorisch ablehne, der wolle nur die Intransparenz erhalten, "das ist bewusst so gewollt", vermutet er. Wichtig ist ihm, dass es keinesfalls um Reichtum und schon gar nicht um eine Neiddebatte gehe: "Mir macht mein Job Spaß, ich bin gerne selbstständig und mag meine Patienten. Ich brauche auch kein dickes Auto und keine Villa auf Mallorca, aber ich fühle mich unfair behandelt", sagt er.

Verständnis für die Proteste der Orthopäden hat der rheinland-pfälzische KV-Chef Dr. Günter Gerhardt. "Die Orthopäden in Rheinland-Pfalz haben im Bundesvergleich einen der niedrigsten Werte für das Regelleistungsvolumen. Mit einem so niedrigen RLV ist die Basisversorgung nicht zu leisten", gibt er den protestierenden Ärzten Recht.

Orthopäde Hagedorn nutzt die Zeit, die er jetzt hat, für Gespräche mit Patienten. "Viele haben Verständnis und wenn wir ihnen zeigen, wie viel die Kasse für die an ihnen erbrachten Leistungen bezahlen, sind die meisten beschämt", berichtet er.

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