Ärzte Zeitung online, 07.04.2010

Ärztekammer-Vize nennt Rösler-Vorschlag vernünftig

BERLIN (dpa). Politiker von Koalition wie Opposition halten ebenso wie Ärztevertreter den Vorschlag einer Landarztquote von Bundesgesundheitsminister Philip Rösler für unzureichend. Der FDP-Politiker will eine bestimmte Quote von Studienplätzen für jene reservieren, die sich bereit erklären, anschließend auf dem Land zu praktizieren.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach kritisierte in der "Passauer Neuen Presse" (Mittwochsausgabe): "Wenn der Facharzt in der Stadt mehr verdient als der Hausarzt auf dem Land, nutzen auch neue Auswahlverfahren und Quoten nichts." Wichtiger sei es, die Hausärzte besser zu bezahlen und die Zahl der Studienplätze zu erhöhen.

Der niedersächsische Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) sagte der "Financial Times Deutschland" (Mittwochsausgabe): "Quoten helfen uns überhaupt nicht weiter". Das Problem seien die Arbeitsbedingungen von Ärzten. "Wenn alle Absolventen eines Medizinstudiums hinterher auch den Beruf ergreifen würden, hätten wir keinen Ärztemangel, nicht einmal einen Landärztemangel."

Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, nannte Röslers Vorschlag zwar "vernünftig", hält ihn aber ebenfalls nicht für ausreichend. Er forderte in den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" (Mittwochsausgabe) die Kommunen auf, die Arbeitsbedingungen für Landärzte zu verbessern. "Die Gemeinden müssen auch die Infrastruktur schaffen, damit ein Arzt abwechselnd in verschiedenen Dörfern Sprechstunden abhalten kann." Auch die Zusammenarbeit zwischen Praxen und Krankenhäusern sei verbesserungswürdig.

Für eine finanzielle Stärkung der Allgemeinmedizin sprach sich der Chef des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, aus. Ein angehender Hausarzt müsse kalkulieren können, wieviel Geld er bekommt, verlangte Weigeldt in der "Frankfurter Rundschau" (Mittwochsausgabe). Ohne finanzielle Sicherheit werde kaum noch ein Arzt "das Wagnis einer Praxisgründung auf dem Land" eingehen. "Hausärzte arbeiten derzeit mehr und verdienen weniger als Fachärzte", beklagte Weigeldt. Zudem gingen immer mehr Absolventen eines Medizinstudiums lieber zu Behörden, Krankenkassen und der Industrie.

Lesen Sie dazu auch:
Verbände sehen Röslers Therapie gegen Ärztemangel mit Skepsis
Röslers Rezept gegen den Ärztemangel

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Der Albtraum vom Nicht-Schlafen

Schlaflosigkeit lässt sich kaum nachweisen. Forscher zeigen: Schlaflose Nächte finden oft nur im Traum statt. Das macht sie nicht weniger belastend, ermöglicht aber neue Therapien. mehr »

Ärztenetze sollen Arztsitze erwerben können

Die Gesundheitsminister wollen Ärztenetze stärken. Keine Mehrheit auf ihrer Konferenz fand der Vorschlag, die Budgets in der vertragsärztlichen Versorgung abzuschaffen. mehr »

Das Kassenpolster wächst und wächst

Die Kassen der Krankenkassen füllen sich weiter: Im ersten Quartal 2018 steht ein Überschuss von über 400 Millionen Euro zu Buche. Zudem fällt das Jahresergebnis für 2017 viel besser aus als gedacht. mehr »