Ärzte Zeitung, 15.04.2010

TK: Keine Versichertengelder verschleudert

IV-Verträge mit Astriomed unsauber? / Kasse will juristisch gegen ZDF vorgehen

KÖLN (iss). Die Techniker Krankenkasse wehrt sich gegen Vorwürfe, sie würde bei den "Atriomed"-Zentren Gelder ihrer Versicherten verschleudern.

"Wir haben mit Atriomed lupenreine Verträge zur integrierten Versorgung abgeschlossen", sagte TK-Sprecherin Dorothee Meusch. Das gelte für jedes einzelne Medizinische Versorgungszentrum an den unterschiedlichen Standorten.

Das ZDF-Fernsehmagazin "Frontal 21" hatte in der Sendung vom 6. April 2010 schwere Vorwürfe gegen die Atriomed-Betreibergesellschaft HCM und ihren Mehrheitsbesitzer Andreas Heyer wegen dubioser Geschäftspraktiken erhoben. Auch die Qualität der medizinischen Versorgung wird von den Autoren zumindest bei einem MVZ in Frage gestellt.

Der Beitrag suggeriert, dass die Kasse den fragwürdigen Geschäftspartner nicht ausreichend geprüft habe und zudem hohe Zahlungen für Komfortleistungen wie verkürzte Wartezeiten und Getränke im Wartezimmer leiste. "Es stimmt nicht, dass wir 50 Millionen Euro für Cappuccino und Bananen bezahlen", sagt Meusch.

Im IV-Vertrag mit Atriomed seien Mehrleistungen wie die Koordination der Versorgung oder die Vereinbarung und Etablierung von Behandlungspfaden und Konsil-Termine vereinbart worden. Die Liste dieser Leistungen sei dem Team von "Frontal 21" bekannt gewesen, habe aber keinen Eingang in den Beitrag gefunden, kritisiert sie. "Der Beitrag ist schlampig recherchiert, deshalb gehen wir juristisch gegen das ZDF vor."

Aufgrund des Berichts von "Frontal 21" hat das Bundesversicherungsamt (BVA) die Techniker Krankenkasse um Stellungnahme zu den dort erhobenen Vorwürfen gebeten. "Wir wollen wissen, um was für Verträge es sich exakt handelt und welche Zahlungen dort geleistet werden", sagt Sprecher Tobias Schmidt. Die zuständige Fachabteilung sei zurzeit mit der Ermittlung des Sachverhalts beschäftigt. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen sei, lasse sich jetzt noch nicht sagen, so Schmidt.

Die Anforderung einer Stellungnahme durch das BVA sei ein ganz normaler Vorgang, betont Meusch.

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[15.04.2010, 19:20:36]
Dr. Joachim Hauser 
Allgemein kassenübliche Lifestylepolitik
Diese Geschichte stellt die Regel und nicht die Ausnahme der Ausgabenpolitik der Kassen dar von A wie AOK bis T wie TKK. Als Orthopäde war ich schon mehrfach von derart dubiosen Fitnessketten angesprochen worden, die mit den Verwaltern der Versichertengelder in Kontrakt stehen.
Ich möge doch dem örtlichen Fitnesstudio, das sich der Firma vertraglich angeschlossen hat, die Patienten mit einer Präventionsempfehlung zuweisen.
Die Kasse übernähme ca. 75 -100% der Kosten von etwa 120€. Zum Vergleich
mein aktuelles Regelleistungsvolumen pro Patient im Quartal beträgt 25,17€.
Auf die Frage, was ich davon hätte, wurde mir gesagt: ´´ich könnte ja halbjahresweise um einen Obulus je Zuweisung beim Fitnesstudio anfragen und im übrigen diene es ja meiner Patientenbindung.
Mit diesen Lifestyle-Ausgabenmethoden der Kassen läßt sich natürlich viel besser Werbung machen für einen neuen Versicherungsabschluß als mit einer sowieso für jedermann ungegrenzt zugänglichen billigen ärztlichen Behandlung.
Ich empfehle die Kostenerstattung, damit käme auf einen Schlag und
unter Einsparung immeser Verwaltungskosten Licht in das Dunkel der Finanzmachenschaften von Kassen und Kassenärztlichen Vereinigungen.
Es grüsst ein immer noch optimistischer kleiner Doktor.
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