Ärzte Zeitung, 20.04.2010

Wer wenig verdient oder arbeitslos ist, geht seltener zur Vorsorgekoloskopie

Eine Untersuchung im Auftrag der KV Bayerns zeigt große Unterschiede bei der Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge -  nicht dagegen bei der kurativen Koloskopie.

MÜNCHEN (sto). Große Unterschiede bei der Darmkrebsinzidenz in Bayern: Im Nordosten des Freistaats erkranken relativ mehr Menschen an Darmkrebs als im Südwesten.

Nach einer Studie zur Darmkrebsprävention, die vom Institut für Krebsepidemiologie an der Universität Lübeck (IKE) im Auftrag der KV Bayerns (KVB) erstellt wurde, nehmen vor allem Menschen mit geringem Einkommen die Präventionsangebote nicht ausreichend wahr. Nach der Analyse gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Darmkrebs sowie sozialen Indikatoren wie niedrigem Einkommen oder hoher Arbeitslosigkeit in den einzelnen Regionen Bayerns.

"Die Ergebnisse der Studie zeigen auch, dass insbesondere dort, wo Darmkrebs häufiger auftritt, die Teilnahme an der Früherkennung besonders gering ist. Dies halte ich für bedenklich. Wir müssen die große Bedeutung der Darmkrebsvorsorge weiter intensiv kommunizieren", sagte Dr. Axel Munte, Vorstandsvorsitzender der KVB.

Bei kurativen Koloskopien gibt es nach der Studie keinen relevanten Zusammenhang mit sozioökonomischen Aspekten. Außerdem belegt die Analyse, dass bei etwa 1,2 Prozent aller ambulant durchgeführten präventiven Koloskopien eine Darmkrebserkrankung entdeckt wird, also bei einer von 80 Untersuchungen. Bei den kurativen Darmspiegelungen liegt der Prozentsatz bei 1,9 Prozent.

Auch über die Altersstruktur bei der Darmkrebsfrüherkennung gibt die Studie Aufschluss. So liegt der Altersdurchschnitt der Menschen, die koloskopisch untersucht werden, bei 58,4 Jahren. Bei präventiven Koloskopien liegt der Mittelwert bei 64,8 Jahren, bei den kurativen bei 56,5 Jahren, also deutlich niedriger.

"Die Studienergebnisse sind ein wichtiger Schritt, um regionale Unterschiede erkennen und Risikofaktoren identifizieren zu können. Verbunden mit weiteren Analysen sind wir jetzt in der Lage, die Prävention auf regionaler Ebene gezielt zu stärken", sagte Munte.

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