Ärzte Zeitung, 28.05.2010

Forscher: Kleine Prämie treibt die Verwaltungskosten

DÜSSELDORF (fst). Auch eine Gesundheitsprämie, die schrittweise eingeführt wird, würde hohe Verwaltungskosten verursachen. Das teilt die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung unter Verweis auf zwei Studien mit.

Dabei haben Stefan Greß von der Hochschule Fulda und Simone Leiber vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Böckler-Stiftung die Erfahrungen mit der Pauschale in den Niederlanden ausgewertet. Für Deutschland schätzen sie die Verwaltungskosten für die Abwicklung des Sozialausgleichs auf "mindestens 250 Millionen Euro pro Jahr". Dabei seien die Einmalausgaben für den Verwaltungsaufbau nicht berücksichtigt.

Zudem habe sich in den Niederlanden die Pauschale seit ihrer Einführung deutlich erhöht, und zwar von 1015 (2006) auf 1209 Euro pro Jahr (2009). Parallel dazu wuchs der staatliche Zuschuss für den Sozialausgleich von 2,5 auf 3,7 Milliarden Euro. Mit jeder Milliarde Euro, um die die Gesundheitsausgaben zulegen, würde bei 50 Millionen GKV-Versicherten die Gesundheitsprämie um 20 Euro jährlich steigen, rechnen Greß und Leiber vor.

Seit 2007 haben sich die GKV-Ausgaben um 20 Milliarden Euro erhöht. Nach Angaben des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie in Köln würde auch eine "kleine Pauschale" Menschen mit geringem Einkommen stärker belasten als bisher. Bei einer Pauschale von 29 Euro pro Monat steige der GKV-Beitrag für Versicherte, die 1000 Euro brutto monatlich verdienen, um 20 auf 169 Euro.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

In Westeuropa sterben Deutsche am frühesten

Deutschland hat unter 22 westeuropäischen Ländern die niedrigste Lebenserwartung. Im weltweiten Vergleich gibt es noch immer drastische Unterschiede - von bis zu 40 Jahren. mehr »

Gemeinsam gegen Antibiotika-Resistenzen

Die Weltantibiotikawoche ist angelaufen: Während die WHO für mehr Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Medizin wirbt, versucht ein Projekt von Ärzten und Kassen die Bürger für Resistenzen zu sensibilisieren. mehr »

Herzschutz-Effekt durch Fischöl-Kapseln

Die Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren mittels spezieller Fischöl-Kapseln hat in der beim AHA-Kongress präsentierten REDUCE IT-Studie eine erstaunliche Wirkung entfaltet. Zu einem anderen Ergebnis kommt die Studie VITAL. mehr »