Ärzte Zeitung, 04.07.2010

Kommentar

Plädoyer für die Entlastung der Ärzte

Von Christian Beneker

Was die Gesundheitsministerkonferenz der Länder anmahnt, ist längst überfällig: Die Leichenschau soll in ihrer Qualität verbessert, die Minister sagen: "professionalisiert" werden. Ob die Leichenschau, die oft von Hausärzten gemacht wird, tatsächlich unprofessionell ist und Qualitätsmangel hat, ist zu bezweifeln.

Erleichternd aber dürfte es für manchen Hausarzt sein, wenn nicht er, sondern ein anderer Arzt, auf den der Hausarzt verweisen kann, für die Leichenschau zuständig wäre. Denn nicht wenige Ärzte tun sich schwer, die Polizei zu benachrichtigen, wenn ein Todesfall sie vermuten lässt, ein Mensch könnte getötet worden sein. Unter Umständen müssten sie Familien, die sie schon lange kennen und betreuen, mit ihrem Verdacht und der Polizei konfrontieren. Eine so oder so schwierige Situation - vor allem dann, wenn sich der Verdacht schließlich als unbegründet herausstellen würde.

Stutzig allerdings macht, dass die GMK mit den zusätzlich zu erwartenden Obduktionen eine "stärkere Auslastung" der Gerichtsmedizin verbindet. Ein Scherz? Angesichts von Schließungen und Zusammenlegungen gerichtsmedizinischer Institute dürften die Mediziner in den verbliebenen Einrichtungen kaum unter Arbeitsmangel leiden.

Lesen Sie dazu auch:
Länder wollen die Leichenschau völlig neu ordnen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tumorpatienten bei Schmerztherapie unterversorgt

Viele Krebskranke erhalten keine adäquate Schmerztherapie. Das hat eine erste Analyse der Online-Befragung "PraxisUmfrage Tumorschmerz" ergeben. mehr »

ADHS-Arznei lindert Apathie bei Alzheimer

Eine Therapie mit Methylphenidat kann die Apathie bei Männern mit leichter Alzheimerdemenz deutlich zurückdrängen. mehr »

Zehn Jahre "jünger" durch Sport

Wer Sport treibt, ist motorisch gesehen im Schnitt zehn Jahre jünger als ein Bewegungsmuffel. mehr »