Ärzte Zeitung, 19.07.2010

Zwischen KV und Hausärzteverband Bremen fliegen weiter die Fetzen

Der Verband wirft der KV vor, zu wenig Geld an Notdienst leistende Ärzte zu überweisen. Die ist über die Anschuldigung entsetzt.

Von Christian Beneker

BREMEN. Der Hausärzteverband Bremen hat der KV des Zwei-Städte-Landes vorgeworfen, Geld für den Notdienst in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Bremens KV-Vize Günther Scherer reagierte empört. In einem Artikel der Hausärztezeitung in Bremen heißt es zur Honorierung der Notdienste: "Bei den Schichtpauschalen fallen etwa 2000 telefonische Beratungen, die gar nicht abgerechnet werden, unter den Tisch. Die KV streicht dieses Geld ein - bei überwiegend hausärztlichen Notdienst-Ärzten kommt dieses Geld nicht an."

"Mit der KV kann nur der Vorstand gemeint sein", empört sich Günther Scherer, Vize der KV Bremen. Der Vorwurf des Hausärzteverbandes bedeute eine "neue, ärgerliche Qualität der Auseinandersetzung", so Scherer zur "Ärzte Zeitung". Seit Monaten liegen Hausärzteverband und KV Bremen über den Vollversorgungsvertrag zur hausarztzentrierten Versorgung über Kreuz (wir berichteten).

Scherer hat sich nach dem Artikel an die Aufsicht gewandt und einen Wirtschaftsprüfer die Finanzierung des Notdienstes im Jahr 2009 prüfen lassen, erklärte er der "Ärzte Zeitung". Die Schichtpauschalen in den drei KV-Notdienstpraxen in Bremen und Bremerhaven werden auf Basis von 38 Euro pro Fall berechnet. Das Ergebnis: Die KV hat von den Kassen 1,939 Millionen Euro für den Notdienst im Jahr 2009 erhalten und im gleichen Zeitraum 2,052 Millionen Euro an die Notdienst leistenden Ärzte ausgezahlt. Der Rest von rund 112 000 Euro wurde aus Rückstellungen der KV Bremen bezahlt, erklärte Scherer. "Punktlandungen sind im System nicht möglich, es wird immer etwas mehr oder etwas weniger ausgezahlt werden, als die KV von den Kassen erhält", so Scherer.

Der Kritik des Hausärzteverbandes hatte sich an der Höhe der Schichtpauschalen entzündet. Der Verband kritisierte, dass die Pauschalen trotz Mehreinnahmen in Bremen nicht angehoben wurden.

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