Ärzte Zeitung online, 05.08.2010

KV Hessen: Neue Bedarfsplanung löst Hausärztemangel auf dem Land nicht

FRANKFURT/MAIN (ine). Mit eher gemischten Gefühlen hat die KV Hessen auf den Beschuss des Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) reagiert, die Bedarfsplanung künftig kleinteiliger zu gestalten.

KV Hessen: Neue Bedarfsplanung löst Hausärztemangel auf dem Land nicht

"Wenn in einem Weiler ein Hausarzt fehlt, sind heute schon Bedarfszulassungen möglich." (Dr. Gerd W. Zimmermann, Vize-Vorsitzender der KV Hessen)

© KV Hessen

Hessens KV-Vize Dr. Gerd W. Zimmermann sieht darin keine Lösung des Problems, mehr Hausärzte aufs Land zu bekommen. Wenn in einem Weiler ein Hausarzt fehle, seien heute schon Bedarfszulassungen möglich, so Zimmermann im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Zudem habe die KV vor, niederlassungswilligen Ärzten Hilfe anzubieten und sie auch betriebswirtschaftlich zu beraten.

Allerdings fänden die Ärzte auf dem Land oft erschwerte Bedingungen vor: Der Anteil der Patienten, die 63 und älter sind liegt nach einer Statistik der KV Hessen in einigen Regionen in Nord- und Mittelhessen bei 40 bis 50 Prozent. Viele junge Menschen ziehen vom Land in die Städte. "Von einigen wenigen schwer kranken, alten Patienten kann kein Hausarzt leben", sagt Zimmermann.

Auch finanzielle Anreize zur Niederlassung lösten dieses Problem nicht. Vielmehr seien die Ansprüche der Menschen zu hoch. "Wir sind kurze Wege zur Arztpraxis, zum MRT, zum Herzkatheterlabor und zum Krankenhaus gewohnt." Dafür kämpfe jeder Bürgermeister und jeder Landrat. Doch eine solche Versorgung sei nicht länger machbar und finanzierbar.

Zimmermann fordert eine Änderung der Strukturen. "Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass die hausärztliche Versorgung einen Umkreis von 30 Kilometern abdeckt, und die Hausärzte in einem MVZ, mit oder ohne Fachärzte, arbeiten."

Der GBA hatte Mitte Juli einen Demografiefaktor für die Bedarfsplanung beschlossen. Das Gremium will damit die auf dem Stand von 1990 verharrende Bedarfsplanung korrigieren. Dies soll etwa dann greifen, wenn eine KV äußerst hohe Fallzahlen in den Praxen einer Region feststellt.

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Gerd Zimmermann (167)
[05.08.2010, 16:16:01]
Leopold Mersch 
Katze aus dem Sack?
"Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass die hausärztliche Versorgung einen Umkreis von 30 Kilometern abdeckt, und die Hausärzte in einem MVZ, mit oder ohne Fachärzte, arbeiten." - Ist sie das, die Zukunftsvision der KV?

Ob für die KV unausweichliches Übel, Ultima ration oder heimliche Absicht - den Hausarztmangel würde auch dieser Plan nicht beheben. In einem Umkreis von 30 km als einer von mehreren angestellten Ärzten hausärztlich und im Bereitschafts/Notdienst tätig zu sein, ist eine rein theoretische Option, für deren Umsetzung sich niemand wirklich begeistern ließe.

Dr. Zimmermann wird mit seiner Prognose das Gegenteil bewirken, und zwar sehr schnell. Denn wer wollte angesichts solcher "Perspektiven" sein Glück noch im Dasein als Hausarzt suchen? zum Beitrag »

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