Ärzte Zeitung online, 03.08.2010

Internisten fordern mehr Wettbewerb bei Hausarztverträgen

BERLIN (sun). Der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) fordert ein Ende des Vertragsmonopols des Hausärzteverbandes. Stattdessen solle der Wettbewerb bei den Hausarztverträgen gefördert werden.

Internisten fordern mehr Wettbewerb bei Hausarztverträgen

Fordert mehr Vertragswettbewerb bei der HzV, ohne dass einzelne bevorzugt werden: BDI-Chef Dr. Wolfgang Wesiack.

© Reiner Zensen / imago

Die aktuellen Reformpläne der schwarz-gelben Koalition gingen allerdings "in die falsche Richtung", da diese das faktische Monopol des Hausärzteverbandes nicht beseitigten. Die Koalition plant im Rahmen des Spar-Pakets, dass die Honorare der Ärzte in den Hausarztverträgen nicht über denen im KV-System liegen dürfen.

An den Voraussetzungen für einen Vertragsabschluss ändert sich allerdings nichts. Das heißt weiter, abschlussberechtigt nach Paragraf 73b SGB V sind nur Gemeinschaften, die mindestens die Hälfte aller Hausärzte in ihrem KV-Bezirk vertreten. Diese Voraussetzung erfüllt fast ausschließlich der Hausärzteverband.

Nach Ansicht des BDI ist es aber unabdingbar, hausärztlich tätige Internisten in die Hausarztvertragskonzepte einzubeziehen. "Der 73 b muss neu definiert werden in Hinsicht auf die Arztgruppen, die an der hausärztlichen Versorgung tatsächlich teilnehmen", fordert BDI-Chef Dr. Wolfgang Wesiack. In der Versorgung müsse es einen Vertragswettbewerb geben, "ohne dass einzelne Teilnehmer bevorzugt" würden.

Diese Öffnung des Wettbewerbs unter Einbeziehung der KVen müsse über eine Neudefinition des Paragrafen 73 b "politisch eingeleitet werden". So könne künftig sichergestellt werden, dass sich die besten Konzepte durchsetzten, "statt die Versorgung über ein Verbandsmonopol zu regeln".

Lesen Sie dazu auch:
Hausärzte-Protest geht in die nächste Runde

[03.08.2010, 20:14:27]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Die Geschichte vom Hasen (BDI) und Igel (HÄV): "Ick bün all da!"
Hallo, Herr Kollege Wolfgang Wesiak! Das ist das Problem des BDI. Der Wettbewerb ist schon gelaufen, per Abstimmung mit den Füßen entschieden. Die Hausärztlichen Internisten, die Sie mühsam von den Fachärztlichen Internisten separiert haben, laufen in Scharen zum Hausärzteverband über. Ihre eigenen BDI-Funktionäre (z. B. in der KVWL) sagen, "pecunia non olet" oder auf Neudeutsch: "It's the economy, stupid!" Der Hausärzteverband hat von über 50% der Hausärzte ein Verhandlungsmandat nach § 73b SGB erhalten und ist damit gesetzlich legitimiert! Dabei von "Monopol", "fehlendem Wettbewerb" oder Eigeninteressen zu sprechen, fällt doch nur auf Sie zurück. Seit Einführung des §73b als verpflichtende Vorgabe des Bundesgesetzgebers zur Einführung von "Hausarztzentrierten Verträgen" (HzV) sind "Hausarztbashing", Hinhalte- und Verzögerungstaktik und Desinformation auch seitens der KBV und der "vertragslosen" GKVen angesagt. An das derzeitige Regelleistungsvolumen (RLV) für die Hausärztliche Versorgung in einem Quartal brauche ich gar nicht zu erinnern. Der Bescheid liegt bei jede(r)m von uns am Rand der "großen Ablage". Jedes Fitnessstudio verlangt mehr als das Dreifache!


Wegen des reinen Mehrheitswahlrechtes in allen Gremien sind unter
40 % Hausärzte als größte Einzelfraktion bei über 60 % Fachärzten überhaupt nicht mehr vertreten (Ärztekammer und KV Westfalen-Lippe, KBV, Bundesärztekammer, gemeinsamer Bundesausschuss, übrige KVen). Bei den Kammern dominieren auch noch die Krankenhausärzte, die über den Marburger Bund Steigerungen der Arztgehälter erreicht haben, ohne dafür öffentlich angegangen zu werden. Sie argumentieren verschärft zu Lasten der Hausärzte, die auf ihrer Versorgungsebene über 80 % aller Patientenprobleme vollständig lösen, während im fachspezifischen und stationären Hochleistungsbereich (doppelte Facharztschiene!) viele Mittel z. T. unkontrolliert "verbraten" werden (Uniklinik: Herztransplantation bei einem Alzheimerpatienten in fortgeschrittenem Stadium; Orthopädie: Massenweise Mehrfach-Gelenkspiegelungen ohne Evaluierung; Kardiologie: Stents und Herzkatheter mehrfach über dem internationalen Standard).
"Die aktuellen Reformpläne der schwarz-gelben Koalition gingen allerdings 'in die falsche Richtung'", sagen Sie. Sind die Ihnen nicht scharf genug? Der BDI schlingert doch wie die "Titanic"!
Dr. med. Th. G. Schätzler ist Facharzt für Allgemeinmedizin in Dortmund
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