Ärzte Zeitung online, 04.08.2010
 

Ambulante Schlaflabore vor dem Aus?

NEU-ISENBURG (chb). Die ambulanten Schlafmediziner schränken nach eigenen Angaben seit Anfang August ihre Leistungen deutlich ein. Grund ist eine Entscheidung des Einheitlichen Bewertungsausschusses, die erhebliche Auswirkungen auf das Honorar der Schlafmediziner hat.

Ambulante Schlaflabore vor dem Aus?

Patientin im Schlaflabor. Schlafmediziner warnen vor dem Aus der ambulaten Diagnostik.

© Deutsche Akademie für Gesundheit und Schlaf

Der Bewertungsausschuss hatte bereits Ende März beschlossen, dass ein qualitätsgebundenes Zusatzvolumen für die Polysomnographie (QZVPSG), nur noch von HNO-Ärzten und Pneumologen abgerechnet werden darf. Schlaflabore, die von anderen Fachärzten betrieben werden, können diese Leistung nur noch im Rahmen eines Regelleistungsvolumens abrechnen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung (DGSM) kommt das einer Leistungserbringung zum Nulltarif gleich.

Aber auch die Pneumologen und HNO-Ärzte sind mit der neuen Regelung unglücklich, weil die QZV pro Behandlungsfall gezahlt werden. Das heißt, es wird ein pauschaler Betrag pro Patient und Quartal vergütet, wenn mindestens eine Leistung aus diesem QZV erbracht wurde, unabhängig von der Anzahl der Leistungen im Quartal.

Zwar sei die Vergütung für das QZV Polysomnographie regional und nach Fachgruppe unterschiedlich, die jetzt ergangenen Bescheide zeigten aber, dass vor allem die Pneumologen deutliche Honorareinbußen zu befürchten hätten, schreibt die DGSM in einem Offenen Brief. So erhalten bayerische Pneumologen laut DGSM für das QZV Polysomnographie 315,08 Euro pro Leistungsfall. Das entspreche ungefähr dem Betrag, der bisher für eine einzelne Polysomnographie gezahlt wurde. Und für eine richtlinienkonforme Diagnostik und die Anpassung therapeutischer Hilfsmittel sei häufig eine Polysmonographie an zwei aufeinanderfolgenden Tagen vorgesehen, so die DGSM. Das bedeute, "dass bei der Durchführung von zwei Nächten der Wert der PSG auf die Hälfte gefallen ist".

Die ambulant tätigen Schlafmediziner, die die Leistungen wesentlich kostengünstiger erbringen als ihre Kollegen in den Krankenhäusern, fordern deshalb in einem offenen Brief:

  • Die Vergütung des QZV Polysomnographie muss so geregelt werden, dass ambulant tätige Schlaflabore ihre Leistungen weiterhin entsprechend den Richtlinien in der notwendigen Qualität anbieten können. Dabei muss berücksichtigt werden, dass im Behandlungsfall oft mehrere aufeinanderfolgende Polysomnographien dringend erforderlich sind.
  • Auch für die vertragsärztlichen Schlaflabore außerhalb der Pneumologie und HNO muss ein QZV Polysomnographie oder eine andere angemessene Vergütung geschaffen werden.
  • Für die betroffenen Schlaflabore muss kurzfristig eine existenzsichernde Übergangslösung geschaffen werden, da die ersten Labore bereits kurz vor der Schließung stehen.

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