Ärzte Zeitung online, 06.08.2010

AOK Rheinland/Hamburg will mehr regionale Besonderheiten bei Hausarztverträgen

KÖLN (iss). Die AOK Rheinland/Hamburg hat nach wie vor Interesse an einem Vertrag zur Stärkung der hausärztlichen Versorgung in Nordrhein, will sich aber von dem Hausärzteverband nicht die Bedingungen diktieren lassen. Das hat die Kasse in einem Schreiben an die nordrheinischen Hausärzte deutlich gemacht.

AOK Rheinland/Hamburg will mehr regionale Besonderheiten bei Hausarztverträgen

Wilfried Jacobs, Vorstand bei der AOK Rheinland/Hamburg, spricht sich für Hausärztverträge aus - aber zu regionalen Bedingungen.

© Rainer Unkel / imago

Sie seien weiter bereit, Hausarztverträge abzuschließen - mit dem Hausärzteverband, der Kassenärztlichen Vereinigung und Ärztenetzen, schreiben die Vorstände Wilfried Jacobs und Cornelia Prüfer-Storcks an die Mediziner. "Allerdings sind uns durch die Mandatierung des Hausärzteverbands und das Schiedsverfahren zurzeit die Hände gebunden."

In Nordrhein zieht sich das Schiedsverfahren zwischen dem Großteil der Krankenkassen und dem Hausärzteverband schon länger hin. Auftakt war im Januar dieses Jahres, die nächste Runde ist für Ende September angesetzt.

"Wir sind der Ansicht, dass die bundeseinheitlichen Vorgaben des Deutschen Hausärzteverbandes die Verhandlungen über einen Hausarztvertrag im Rheinland so schwierig machen", führt der AOK-Vorstand aus. Gespräche auf Landesebene machten nur dann Sinn, wenn es dabei auch um regionale Besonderheiten ginge, sagt der Vorstandsvorsitzende Wilfried Jacobs der "Ärzte Zeitung". Die Versorgungsnotwendigkeiten und die Refinanzierungsmöglichkeiten der Kassen seien in Nordrhein nun mal anders als in Bayern oder Baden-Württemberg. "Wir wollen uns keine Modelle überstülpen lassen."

Die AOK Rheinland/Hamburg könne sich vorstellen, die Versorgung auf dem Land durch eine bessere Vergütung der dort tätigen Hausärzte zu unterstützen, sagt er. Denkbar sei etwa ein Extra-Honorar für Landärzte, die ihre Praxis im Haus haben, und deshalb ihren Patienten oft auch zur Unzeit zur Verfügung stehen. Der Wunsch der AOK nach einer besonderen Vergütung für besondere Leistungen sei mit dem Festhalten des Hausärzteverbands an kontaktunabhängigen Pauschalen nicht zu vereinbaren.

In seinen Informationen an die Hausärzte habe der Verband den Krankenkassen regelmäßig eine Blockadehaltung und eine Ablehnung der Hausarztverträge vorgeworfen. "Jetzt wollten wir den Ärzten einmal unsere Sicht der Dinge schildern."

Der Hausärzteverband Nordrhein hat in einem Rundschreiben prompt reagiert und die Argumente der Kasse zurückgewiesen. "Die AOK will über einen Add-On-Vertrag die KV-Vergütungssystematik beibehalten und damit jegliche Kalkulierbarkeit für unsere Praxen und unsere Zukunft verhindern", kritisiert der Verbandsvorsitzende Dr. Dirk Mecking.

Die Vorstellung zur leistungsbezogenen Honorierung weist der Duisburger Allgemeinmediziner zurück. Die AOK wolle Hausbesuche, Dringlichkeitsbesuche, Pflegeheimbetreuung, Prävention, Gesprächsleistungen, Überleitungsmanagement, Geriatrie, Betreuung und DMP für maximal 50 bis 55 Euro - "nach unten offen".

Die Hausärzte seien nicht bereit, "kassenabhängiger Arzt unter dem Diktat der AOK" zu werden, betont Mecking.

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