Ärzte Zeitung online, 09.08.2010
 

Hausärzte zeigen kein Interesse an Bremer KV-Chefsessel

BREMEN (cben). Der neue Chef der Bremer Kassenärztlichen Vereinigung wird wieder ein Facharzt sein. Nach Informationen der "Ärzte Zeitung" will kein Hausarzt an die Spitze der Bremer KV, nachdem der ehemalige KV-Chef Dr. Till Spiro zurück getreten ist.

Hausärzte zeigen kein Interesse an Bremer KV-Chefsessel

Wer wird das Ruder in der KV Bremen übernehmen? Ein Hausarzt wird es offenbar nicht werden.

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Vier Bewerber werden sich voraussichtlich am 14. September vor der Bremer Vertreterversammlung zur Wahl stellen: Der Psychotherapeut Dr. Hans Nadolny, der Dermatologe Dr. Jörg Herrmann, die Neurologin Franziska Büge und der ehemalige Vize der Bremer KV, der Chirurg Dr. Jörg-Andreas Rüggeberg.

Überraschend ist vor allem die Bewerbung Rüggebergs. Er hatte vor rund zehn Jahren seinen Posten im Streit verlassen. Ihm war vorgeworfen worden, er habe im Jahr 2000 den ehemaligen Geschäftsführer der KV Bremen, den inzwischen gestorbenen Klaus Stratmann, dazu bewegt, ihm finanzielle Vorteile zu verschaffen. Ein Prozess gegen Rüggeberg wurde 2008 vor dem Bremer Amtsgericht gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Die KV Bremen hat sich externe Berater zur Unterstützung bei der Bewerberauswahl geholt: Dr. Friedmann und Compagnie aus Bremen. "Die Firma wird mit den Bewerbern im persönlichen Gespräch Profile erarbeiten, die sie dann am Wahltag, dem 14. September, in Bremerhaven der Vertreterversammlung vorstellen werden", sagte Dr. Thomas Liebsch, Hausarzt, Vorsitzender der Bremer VV und Mitglied des Wahlausschusses zur "Ärzte Zeitung".

Im Juni hatte die KVHB den Chefposten unter den Bedingungen ausgeschrieben, dass die Bewerber niedergelassene Ärzte sind und aus dem Bremer KV-Bereich kommen. Für die Wahl ist die absolute Mehrheit notwendig. Wenn es beim ersten Wahlgang keine Entscheidung gibt, wird unter den beiden erstplatzierten Kandidaten erneut gewählt, so Liebsch.

Kein Hausarzt hat Anspruch auf den Bremer Chefsessel erhoben. "Auch ich haben keine Ambitionen", sagte Liebsch zur "Ärzte Zeitung". Die Bindung eines Hausarztes zu den Patienten sei derart stark, dass eine Praxis kaum mit einer Vertretung so weiterlaufen könne, dass man nach Ablauf der Amtszeit ohne Weiteres wieder einsteigen könnte, meint Liebsch.

"Wenn ich den Vorsitz der KV tatsächlich übernehmen würde, dann wäre meine Praxis weg", sagte Liebsch, "vielleicht war dies auch für andere Hausarzt-Kollegen der Grund, sich nicht zu bewerben."

Im März war Bremens ehemaliger KV-Chef, Dr. Till Spiro aus "persönlichen und gesundheitlichen Gründen" zurückgetreten. Seither führt bis zur Neuwahl des ersten Vorsitzenden Bremens KV-Vize Günther Scherer die Geschäfte.

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