Ärzte Zeitung, 14.10.2010

Mit Kita-Plätzen um Mitarbeiter werben

Für viele Ärzte spielt bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes die Kinderbetreuung mittlerweile eine wichtige Rolle. Das Leipziger Klinikum St. Georg leistet sich deshalb eine eigene, gut ausgebaute, Kindertagesstätte.

Von Thomas Trappe

Mit Kita-Plätzen um Mitarbeiter werben

Viel Platz für Kinder: Die Kita im Klinikum St. Georg in Leipzig ist gerade neu eröffnet worden.

© Klinikum St. Georg

LEIPZIG. Es ist eine der besseren Adressen für Kinderbetreuung in der Stadt, das wird schon bei einem ersten Rundgang schnell klar. Entspannungsraum, Kochstudio, Theaterraum sind nicht unbedingt Standard in den Leipziger Kindertagesstätten. Im Klinikum St. Georg seit kurzem schon. Vor wenigen Wochen wurde die neue Betriebskindertagesstätte eingeweiht, ein 1,5 Millionen Euro teurer Neubau, funktionalistisch gestaltet, direkt an einem Parkabschnitt des Klinikgeländes gelegen. Für 14 Erzieher und 100 Kinder bietet er Platz und, mindestens genauso wichtig, Angestellten des Klinikums die Möglichkeit, Kind und Arbeit besser zu vereinbaren.

Für sächsische Verhältnisse sind die Chancen für Leipziger Eltern, einen Kitaplatz zu finden, geradezu prekär. Es gibt lange Wartelisten. Professor Karsten Güldner, Chef des Klinikums, lüftet also kein Geheimnis, wenn er erklärt, dass die Klinik mit der Investition nicht uneigennützig handelte. "Das hat natürlich auch was mit Personalstabilisierung zu tun", so nennt er es. Bei dem wohlbekannten Ärztemangel in Sachsen gebe es vor allem bei den Ärzten immer weniger Bewerber, "denen müssen wir dann was bieten". Eine gute Kinderbetreuung sei auf jeden Fall ein wichtiger Standortfaktor, so Güldner.

Das Klinikum St. Georg ist als gGmbH organisiert, alleiniger Gesellschafter ist die Stadt Leipzig. Seit 2008 ist der Kindergarten auf dem Klinikgelände wieder ein Betriebskindergarten. Für rund 3000 Angestellte des St. Georgs gab es zunächst 20 Krippen- und 50 Kitaplätze, mit dem Neubau wurden 30 Betreuungsplätze zusätzlich geschaffen - für großstädtische Verhältnisse ein recht gutes Betreuungsangebot. Laut Güldner ist es für Klinikangestellte definitiv einfacher, einen Platz in der Betriebskita zu kriegen als in einer städtischen Einrichtung.

Der Ausbau der Kinderbetreuung in Klinikbetrieben wird auch im Freistaat als dringend angesehen, knapp ein Viertel der zwei Millionen Euro Gesamtkosten des St.-Georg-Kindergartens wurden vom Land übernommen. Sozialministerin Christine Clauß (CDU) erklärte dazu, dass von einer Betriebskindertagesstätte nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch das Klinikum profitierten. Dr. Renate Roßdorf, die in der Personalabteilung den Bau der Kindertagesstätte begleitete, verweist in diesem Zusammenhang auf die vielen Angestellten, die im Schichtbetrieb arbeiten. Vor allem für sie sei eine unabdingbare Voraussetzung für ihre Berufstätigkeit, dass sie ihre Kinder betreuen lassen können. Von 5.45 bis 17.30 Uhr ist die Kita geöffnet, bei Bedarf könnten die Zeiten aber ausgeweitet werden. Es werden im Klinikum deshalb regelmäßig Umfragen unter den Eltern gemacht. Auch eine Nachtbetreuung könnte es künftig geben, so Klinikchef Güldner.

Er bezeichnet seine Betriebskindertagesstätte als "Leuchtturm" im Freistaat. Tatsächlich könnten dem Beispiel bald weitere Krankenhäuser folgen. Kürzlich wurde im Elblandklinikum in Radebeul eine Betriebskindertagesstätte eröffnet, im mittelsächsischen Riesa soll bald eine weitere folgen. Eine Sprecherin des sächsischen Kultusministeriums, im Freistaat zuständig für Betriebskitas, erklärte auf Anfrage der "Ärzte Zeitung", dass "betrieblich unterstützte Angebote zur Kinderbetreuung in den letzten Jahren stetig gestiegen" seien. Im Land gebe es derzeit "mehr als 20 Unternehmen, die ihre Beschäftigten in dieser Hinsicht unterstützen". Unternehmen mit Kitas würden auch vom Ministerium als "Standortvorteil" bewertet.

Gefördert werden können Betriebskitas aus dem Europäischen Sozialfonds - bis zu 50 Prozent der Betriebskosten. Das Klinikum St. Georg bekommt für 20 Krippenplätze aus diesem Fond 3750 Euro pro Jahr und Platz.

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