Ärzte Zeitung, 27.09.2010

Hanseaten wollen es notfalls "krachen lassen"

Der Streit über die Verteilung von Honorarzuwächsen zwischen den Regionen eskaliert. Die KV Hamburg kündigt die Einführung der Kostenerstattung an, wenn nicht genug Geld an die Elbe fließt.

Von Dirk Schnack

Hanseaten wollen es notfalls "krachen lassen"

Einführung der Kostenerstattung und damit Ausstieg aus dem bisherigen Honorarsystem sind das Drohmittel des KV-Vorstands.

© INSADCO/imago

HAMBURG. Hamburgs KV droht offen mit einem Ausstieg aus System, wenn Honorarsteigerungen Mindestzuwächse unterschreiten. Die Hanseaten wollen dann auf Kostenerstattung setzen.

Auslöser ist die Diskussion um die asymmetrische Verteilung, die von der KV Hamburg als "sachwidrig und auch rechtlich äußerst zweifelhaft" eingestuft wird. In einer Resolution forderte die KV-Vertreterversammlung den Bewertungsausschuss auf, eine asymmetrische Verteilung so lange nicht zu beschließen, bis Einvernehmen über die Berechnungsgrundlage erzielt wurde.

Hierüber aber streiten sich die Bundesländer und KVen. Den Hamburger KV-Vorstand forderten die Vertreter auf, alle politischen und juristischen Möglichkeiten gegen die asymmetrische Verteilung zu nutzen. Die Hamburger vermissen objektive Kriterien für die Verteilung.

Vertreter sehen willkürliche Verteilungsmechanik

Nach bislang bekannten Plänen soll die Asymmetrie am aktuellen Behandlungsbedarf bemessen werden. Dabei bleiben aber nach Auffassung der Vertreter Morbiditätskriterien genauso unberücksichtigt wie sozio-kulturelle und strukturelle Ursachen - nach ihrer Meinung ist die Verteilungsmechanik damit willkürlich.

Dabei geht es um eine Menge Geld. Bundesweit stehen nach jetzigem Stand rund 670 Millionen Euro zur Verteilung zwischen den KVen an - was zu einem heftigen Kampf zwischen den Regionen geführt hat.

Minimalforderung ist drei Prozent mehr Honorar

Nach Auffassung von Dr. Michael Späth, Vorsitzender der Vertreterversammlung, benötigen die Praxen jährlich eine Honorarsteigerung von mindestens drei Prozent, um neben steigenden Praxis- und Lebenshaltungskosten auch den zunehmenden Versorgungsbedarf ausgleichen zu können. Diese Minimalforderung will Späth erfüllt wissen: "Wenn nicht, dann wird es krachen", sagte Späth in der Vertreterversammlung.

Für ihn bedeutet das: "Wenn die Versprechungen zur Angleichung an die Morbiditätsentwicklung nicht eingehalten werden, bereiten wir den Ausstieg vor." Schon jetzt werde die KV offensiv das Thema Kostenerstattung in die Öffentlichkeit tragen, kündigte Späth an.

Sein Vertreter Dr. Wolfgang Wesiack, Chef des Internistenverbandes, sieht dafür breite Unterstützung in den Berufsverbänden: "Kostenerstattung ist das transparenteste Abrechnungssystem."

"Systemmüde" hatte sich zuvor auch schon die KV Schleswig-Holstein gezeigt. Außer der Unzufriedenheit mit dem Honorar hat dazu auch die Zentralisierung beigetragen. Hamburgs KV-Chef Dieter Bollmann kritisierte, dass die KVen immer mehr zu reinen Abrechnungsstellen reduziert werden: "Es gibt kaum noch Gestaltungsmöglichkeiten", klagte Bollmann.

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