Ärzte Zeitung online, 04.11.2010

Erneuter Vorstoß: CSU will Zulassungssperren abschaffen

BERLIN (eb). In der Diskussion um Lösungen gegen den drohenden Ärztemangel, hat die CSU eine bekannte Forderung erneut auf's Tapet gebracht: die Zulassungssperren für niedergelassene Ärzte sollen generell abgeschafft werden.

Erneuter Vorstoß: CSU will Zulassungssperren abschaffen

Johannes Singhammer (CSU): "Das System behindert die Flexibilität und Beweglichkeit der Ärzte."

© dpa

Diesen Vorschlag erneute der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Johannes Singhammer (CSU) nun in der "Frankfurter Rundschau". Er sagte: "Das System behindert die Flexibilität und Beweglichkeit der Ärzte." Womöglich würden es mehr Ärzte mit einer Landarztpraxis versuchen, wenn sie wüssten, dass sie bei einem Scheitern "von dort wieder wegkommen".

Die derzeitige Regelung sorge vielmehr dafür, dass es für Ärzte "eine Lebensentscheidung" sei, wo sie sich niederließen. Singhammer: "Die weitgehende Bindung bis zum Ende der beruflichen Laufbahn wollen aber immer weniger junge Ärzte und vor allem immer weniger junge Ärztinnen."

Die schematische und starre Umsetzung der Zulassungssperren in überversorgten Regionen habe sich nicht bewehrt, fügte er an. An den Verteilungsproblemen habe es nichts geändert.

Bereits im Frühjahr präsentierte Singhammer gemeinsam mit seinem CSU-Kollegen Max Straubinger ein Positionspapier, in dem sie die Streichung dieser Sperren forderten. Ihr Ziel: "eine Abkehr von der heutigen Bedarfsplanungs-Logik hin zu einer patientenbezogenen Versorgungsorientierung".

Auch das Argument der Freiberuflichkeit bezogen sie damals in ihren Vorstoß mit ein: Das Prinzip der Freiberuflichkeit des Arztes bedeute eben vor allem die Freiheit, sich dort niederlassen zu können, wo der Arzt es wolle, hieß es.

Entscheide sich dieser dafür, seine Praxis in einer überversorgten Stadt zu öffnen, dann müsse er freilich auch das Risiko tragen, mit diesem Schritt Schiffbruch zu erleiden.

[04.11.2010, 16:18:50]
Dr. Timo Spanholtz 
Nicht besser durch Wiederholung!
Auch wenn dieser unsinnige Vorschlag den Nerv einer wirtschaftsgetriebenen Stimmung im Gesundheitswesen bedient, ist und bleibt er redundantes Querfeuer. Eine patientenorientierte Versorgung lässt sich nämlich nur sicherstellen, wenn Sektoren entsprechend Bevölkerungsstruktur und vorhandener Infrastruktur konzipiert werden. Das die Sektorenplanung restaurationsbedürftig ist ist keine Neuigkeit. Dennoch: das Gesundheitswesen ist kein freier Markt und darf dies auch nicht werden. Nicht überall einen Sportwagen kaufen zu können, sondern nur dort, wo der Hersteller sich attraktiv ansiedeln kann, ist verkraftbar. Mit einem Herzinfarkt alleine auf der Dorfstrasse zu stehen - das ist nicht die Lösung für ein hochentwickeltes Land wie Deutschland.

Dr. med. Timo A. Spanholtz, Mandatsträger der Ärztekammer Nordrhein zum Beitrag »

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