Ärzte Zeitung online, 06.11.2010

"Der Integrierten Versorgung gehört die Zukunft"

Den Modellen der Integrierten Versorgung gehört die Zukunft, sind Experten überzeugt. Doch die Systeme benötigen neue Anreize. Ein Weg könnte die Belohnung innovativer Krankenkassen etwa durch den Gesundheitsfonds sein.

"Der Integrierten Versorgung gehört die Zukunft"

Im Hamburger Grand Elysee diskutierten Experten über die Zukunft der Integrierten Versorgung.

© blickwinkel / imago

HAMBURG (di). "Für diese Verträge müssen finanzielle Anreize geschaffen werden, denn sie nützen nicht allein den Patienten, sondern entlasten auch das Gesundheitssystem insgesamt", forderte Professor Fokko ter Haseborg auf dem sechsten Hamburger Symposium zur Integrierten Versorgung.

Er regte an, für freiwillig an IV-Verträgen teilnehmende Patienten an die Krankenkassen einen Zuschlag aus dem Morbi-RSA zu zahlen. Die Zuschläge sollten aus dem Gesundheitsfonds an den Morbi-RSA abfließen. "Ein solches Modell ist solidarisch, und es erübrigen sich jegliche Bereinigungsnotwendigkeiten auf Ebene der Leistungserbringer", sagte ter Haseborg.

Zuvor war auf dem Kongress deutlich geworden, wie dringend die integrierte Versorgung neue Anreize benötigt. Dr. Klaus Bittmann von der Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein verwies auf jahrelange, oft vergebliche Bemühungen der Leistungserbringer, mit wenig Resonanz auf Seiten der Kostenträger.

Bittmann forderte Planungssicherheit vom Gesetzgeber und von den Beteiligten, ihre Partikularinteressen nicht immer in den Vordergrund zu stellen. Trotz vieler Hürden ist er überzeugt, dass Konzepten zur Integrierten Versorgung die Zukunft gehört.

Andreas Reinert von der Deutschen Gesundheitsberatung (GSB) nannte im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" einen weiteren Grund für die oft schleppende Umsetzung von IV-Modellen: In den vergangenen Jahren hätten die Krankenkassen viel "Man-Power" für die hausarztzentrierte Versorgung benötigt.

Dennoch sind manche Kassen aufgeschlossen für neue Modelle. Die DAK und die Betriebskrankenkassen wurden auf dem Kongress als Beispiele genannt.

Auch Reinert sieht Licht am Horizont: Nach zweieinhalbjährigen Verhandlungen wurde jüngst das Westdeutsche Herznetz als Pendant zum Norddeutschen Herznetz gestartet.

Dr. Dirk Janssen vom BKK-Landesverband Nordwest nannte als Voraussetzungen für eine Realisierung von IV-Konzepten Transparenz von Leistungen und Gegenleistungen, klare Rechtsgrundlagen und angemessene Gegenleistungen. Bei Geldgebern und Kostenträgern müsse klar sein, dass Versorgungsprojekte oft zunächst Investitionen erfordern, betonte Janssen.

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