Ärzte Zeitung online, 15.11.2010

Bundesärztekammer: Keine Bachelor in der Medizin

BERLIN (eb). Die Bundesärztekammer will keine Bachelor- oder Masterstrukturen in der Medizin. Der Wissenschaftsrat hatte sich am Freitag für eine Universitätsmedizin an der Universität Oldenburg nach dem Konzept einer European Medical School Oldenburg-Groningen mit Bachelor- und Masterabschluss ausgesprochen.

Das Modell sieht erstmals in Deutschland eine grenzüberschreitende Medizinerausbildung mit Bachelor- und Masterabschluss in den Niederlanden (Groningen) und medizinischem Staatsexamen in Deutschland (Oldenburg) vor.

"Gerade in Zeiten des Ärztemangels brauchen wir mehr denn je gut ausgebildete Mediziner. Absolventen eines drei- bis vierjährigen Bachelor-Medizinstudiums würden dem Arbeitsmarkt zwar als vergleichsweise billige Mediziner zur Verfügung stehen, die Versorgungsqualität der Bürger würde aber erheblich reduziert und die Probleme in der Patientenversorgung um ein Vielfaches potenziert", so der Präsident der Bundesärztekammer, Professor Jörg-Dietrich Hoppe, in einer Mitteilung der BÄK.

Denn den hohen Qualitätsstandard, den die Gesellschaft zu Recht vom Studium der Medizin erwarte, könne eine Schnellausbildung zum Bachelor-Arzt nicht erreichen. Eine Bachelor- oder Masterausbildung ebne den Weg zu Medizinschulen, die der bisherigen Qualität der deutschen Hochschulausbildung nicht entsprechen könne, kritisierte Hoppe.

Die Aufteilung in ein zweistufiges Studiensystem fuße auf dem Verständnis, dass man ein berufsfeldbezogenes und ein wissenschaftliches Studium nacheinander absolvieren könne. Dies konterkariere aber die deutsche Approbationsordnung, deren Ziel es aus gutem Grunde sei, vom ersten bis zum letzten Semester eine tiefgreifende Verzahnung von theoretischen Grundlagen und klinischer Anwendung zu erreichen.

Zudem lege die Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates ausdrücklich fest, dass die ärztliche Grundausbildung mindestens sechs Jahre und 5500 Stunden theoretischen und praktischen Unterricht an einer Universität oder unter Aufsicht einer Universität umfasse. Das einheitliche und hochwertige Medizinstudium mit dem Abschluss Staatsexamen müsse deshalb erhalten bleiben.

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