Ärzte Zeitung online, 22.11.2010

UPD: Tausende Beschwerden über Ärzte und Kassen

BERLIN (sun). Tausende Bürger suchen jedes Jahr Rat bei der Unabhängigen Patientenberatung (UPD). Ihre Anliegen: Sie wollen sich über Ärzte, Kassen oder Krankenhäuser beschweren.

UPD: Tausende Beschwerden über Ärzte und Kassen

Patientin am Telefon: Tausende suchen jedes Rat bei der UPD.

© Alexander Raths / fotolia.com

Nach einem Bericht, den die UPD am Montag in Berlin vorgestellt hat, teilten jedes Jahr knapp 16 000 Patienten ihren Unmut der UPD mit. Das entspricht etwas 20 Prozent der gesamten Beratungen. Beschwerden gingen vor allem über niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten ein.

"Ein Drittel der Beschwerden betreffen Ärzte und Therapeuten", sagte UPD-Geschäftsführerin Astrid Burkhardt anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin. Vor allem Zahnärzte stünden in der Kritik der Patienten (29,7 Prozent).

17,5 Prozent der Beschwerden richten sich laut Burkhardt gegen Hausärzte. Besonders häufig werde dabei der Verdacht auf mögliche Behandlungsfehler geäußert. Das sage jedoch noch nichts darüber aus, ob auch tatsächlich ein Behandlungsfehler vorliege, betonte sie.

Vorrangig beschwerten sich die Patienten über das Verhalten ihres jeweiligen Arztes oder Psychotherapeuten, sowie über unklare Abrechnungen. Darüber hinaus hätten sich etwa 22 Prozent über ihre Krankenkasse beschwert. Hier stünden vor allem abgelehnte Kostenübernahmen im Vordergrund. 12 Prozent äußerten sich kritisch über ihr Krankenhaus.

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung Wolfgang Zöller (CDU) kündigte an, möglichst schnell die "Ursachen der Beschwerden" anzugehen. Nach Ansicht des Gesundheitsexperten der Verbraucherzentralen, Stefan Etgeton, gibt diese Auswertung dem geplanten Patientenrechtegesetz "Rückenwind". Die Daten zeigten, dass es für Patienten "klare rechtliche Regeln" geben müsse.

Die bei der UPD eingehenden Beschwerden wurden systematisch erfasst und durch das Institut für Medizinische Soziologie der Charité Berlin ausgewertet. "Mit der Auswertung wolle die UPD, "Schwachstellen im Gesundheitssystem" erkennen, betonte Burkhardt.

[26.11.2010, 23:58:20]
Dipl.-Psych. Achim Bormuth 
Falscher Eindruck - mit Statistiken lässt sich bekanntlich alles belegen
leider werden hier einfach die absoluten Anzahlen der Beschwerden miteinander verglichen. Die Zahnärzte erhalten als vermutlich größte Gruppe geradezu zwangsläufig auch die meisten Beschwerden. Sie deshalb so hervorzuheben ist unfair. Die Anzahl der Beschwerden müßte in Relation zur Größe der jeweiligen Gruppe gesetzt werden, dann erst ist eine vergleichende Aussage möglich.
Auch der Satz "Beschwerden gingen vor allem über niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten ein" führt zu einem verkehrten Eindruck: Sind doch zu den Psychotherapeuten, die nach den Hausärzten und Zahnärzten die drittgrößte Gruppe bilden, nur vergleichsweise wenig Beschwerden eingegangen - wie man der Abb. 19 des etwas schwer zu findenden Berichts entnehmen kann (1,2% + 2,2 % = 3,4% aller Beschwerden.
https://www.unabhaengige-patientenberatung.de/fileadmin/upd/bugs/dokumente/broschueren/UPD_Beschwerden_2010.pdf)

Bleibt zu hoffen, daß hier nachgearbeitet und der falsche Eindruck korrigiert wird.

A. Bormuth, Psychologischer Psychotherapeut

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